Wäre es mir das wert?

DSC03135_v1

Wir haben ja zur Zeit Besuch aus Japan und natürlich kommt die Unterhaltung auch einmal darauf, welche Unterschiede es hier und dort gibt, aber eben auch, wie unterschiedlich veranlagt wir sind. H. arbeitet im Schnitt 6 Tage die Woche, die Hälfte in 24 Stunden Schichten, die andere Hälfte bei einem Freund, der eine Bäckerei für Chiffoncakes hat. Dort reißt er pro Tag so 11 Stunden ab und oft geht es am Wochenende noch auf Festivals. Natürlich macht er das nicht, weil er soviel Spaß daran hat dauernd zu schuften, sondern weil er einen gewissen Lebensstandard hat und den halten will. Auch ich arbeite viel und oft genug täglich, aber niemals diese Stundenzahl und werde selten oder gar nicht bezahlt. Vorteil: Ich kann mich jederzeit mal ein wenig ausklinken und manchmal einige Tage frei machen. H. berichtet, dass es in Japan schwer wäre, länger als eine Woche am Stück frei zu bekommen.

Heute bin ich mit H. und den Kindern zum Einkaufen gewesen. Geschenke für die Daheimgebliebenen und für die Kinder. Ich will mal nicht ins Detail gehen, aber ein Monatsgehalt war da in 1 1/2 Stunden schnell weg. Ich muss gestehen, ich war ein wenig neidisch, weil das alles mit einer Leichtigkeit geschah, die ich nicht kenne, besonders wenn es sich um höhere Beträge handelt, selbst wenn unsere Lage mal nicht so angespannt ist, wie sie es ja nun mal meistens ist. Mir ist natürlich klar, dass H. einen hohen Preis dafür zahlt, sich diese lange Flugreise mit zwei Kindern zu leisten und all die feinen Sachen für seine Lieben kaufen zu können. Also habe ich mir meinen Neid mal genauer angesehen und habe mich gefragt: „Wäre ich bereit diesen Preis zu zahlen?“ Nein, natürlich nicht, sonst wäre ich nie in die Freiberuflichkeit gegangen, sondern hätte meinen Job beim Verlag behalten. Auch waren es nicht einmal die feinen Sachen, die bei mir dieses „muss dass schön sein Gefühl“ auslösten, es war die Leichtigkeit und der Spaß am Geldausgeben, daran seinen Lieben, Dinge die sie sich wünschen ermöglichen zu können. Also habe ich beschlossen mehr Leichtigkeit in finanzieller Hinsicht zu entwickeln und als Exposition habe ich mir einen Rucksack bestellt, den ich mir schon sehr lange wünsche. Seit einer Stunde verbiete ich mir nun, die Bestellung zu stornieren und mich einfach einmal auf das Teil zu freuen. Gar nicht so einfach.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.