Verbote

Verbote

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Ich muss gestehen, ich tue mich schwer mit dem Ruf nach mehr und mehr Verboten. Jeden Tag erscheinen auf Facebook Aufrufe zu Petionen, um dies und das zu verbieten. Viele der Themen sind ausgesprochen wichtig und liegen auch mir am Herzen. Aber bei allem Verständnis dafür, es ist mir zu kurz gedacht. Mit diesem inflationären Aufruf doch dieses und jenes zu verbieten schränken wir uns und unsere Freiheit mehr und mehr ein. Es kommt mir so widersinnig vor, einerseits schreien wir nach Freiheit, wollen uns nicht einschränken lassen und andererseits, kaum entspricht etwas nicht unseren Vorstellungen, kratzt an unseren Grenzen, soll es von „denen da oben“ verboten werden.

In meiner Schulzeit hatten wir eine Staatskundebuch mit dem Titel „Der Staat sind wir“. Ich habe nicht viel davon behalten, aber der Titel ist mir hängen geblieben und auch so eine Art Grundgedanke geworden, der Verantwortung von mir als Bürgerin dieses Staates verlangt. Damit meine ich keine Obrigkeitshörigkeit, sondern die Verantwortung mein Leben so zu gestalten, dass es das meiner Mitmenschen nicht einschränkt. Dass ich nicht über die ethischen Grundsätze die ich vertrete nur rede, sondern sie lebe. Dass ich mir Alternativen überlege und propagiere, wo mir etwas überholt scheint und meiner Meinung nach ersetzt gehört. Sicher kann dieses ein langwieriger Prozess sein und sicher trägt er auch die Möglichkeit des Scheiterns in sich, für mich ist es der Weg, den ich mich entschlossen habe zu gehen.

11 Gedanken zu „Verbote

  1. Im Prinzip gebe ich Dir recht.

    Allerdings mit der Einschränkung, dass da regulierend eingeriffen werden sollte, wo Appelle zwecklos sind.
    Beispielsweise bei der Unsitte mit der alljährlichen Silvesterknallerei.
    Denn denjenigen, die dabei am aktivsten sind, ist mit Vernunft nicht beizukommen. Umweltschutz, verwirrte Menschen und panische Tiere sind für die mit Sicherheit kein Argument, darauf zu verzichten.

  2. Petitionen werden für meinen Geschmack etwas inflationär missbraucht, wobei ich gelegentlich schon auch mal welche unterschreibe. Wobei ich speziell was die Silvesterknallerei angeht, nicht wirklich daran glaube, das es was bringt, weshalb ich die auch nicht unterschrieben habe, so sehr ich auch gegen diese Unsitte bin. Bei Petionen für ein Verbot von Glyphosat oder so bin ich schon mal dabei, allerdings mehr aus einer Ohnmacht heraus, als das ich glaube, das es wirklich was bringt. Und gerade so Plattformen wie openpetition sind für mich wenig seriös, weil man da gegen und für alles eine Petition starten kann.

  3. Ich hoffe nicht, dass ich deine unguten Gefühle ausgelöst habe. Ich habe heute eine Pedition unterschrieben und habe das auch geteilt.
    Nein, ich bin nicht dafür alles und jedes zu verbieten, zu regeln, Freiheiten einzuschränken. Ich bin auch kein Freund vom PETA. Warum ist ein anderes Blatt. Gegen die Knallerei zu Silvester habe ich aber etwas. Hier und in ganz Leipzig ging das fast eine Stunde lang und es war mehr als in den Jahren zuvor. Ich weiß nicht, welche Wut sich da entladen hat. Wir haben hier auch eine Flüchtlingsunterkunft, ein Seniorenheim und eine Unterkunft für Behinderte in unmittelbarer Nachbarschaft. Mir geht es nicht nur um die Tiere.
    Bei meiner Tochter in Kalifornien sind private Feierwerke schon lange verboten. Alle haben sich daran gewöhnt und freuen sich auf die Offiziellen.
    Nein, jede Pedition unterschreibe ich nicht, aber manchmal bin ich schon froh, wenn über die Dinge geredet wird. Leider wahrscheinlich auch wieder nur unter denen, die es eh schon tun.

    1. Nein, hast du nicht. Das geht mir schon lange auf den Zeiger. Jeden Tag kriege ich mindestens 10 dieser Petitionen zu irgendwas. Wie gesagt, auch ich bin gegen die Silvesterböllerei, ich bin auch gegen Glyphosat. Darum geht es mir in dem Post auch gar nicht. Es geht mir um Verbote und dem vermehrten Begehren nach solchen, ohne zu bedenken, wie sehr sie unsere Freiheit einschränken.

      1. So hab ich dich auch verstanden. Petitionen sind ein wichtiger und gutes Mittel , um auf etwas hinzuweisen und auch zu verändern, doch denke ich auch dass sie wie eine indirekte Schusswaffe sind , wenn sie sich über das Netz verbreiten. In gewisser Weise bleibe ich als Unterzeichnende anonym. Es ist wichtig und notwendig sich gegen Einschränkungen zu wehren , dabei ist aber sicher zu beachten , dass ich dem nächsten nicht zu sehr auf die Füße trete.

  4. Bleibt noch anzumerken, dass ich ausnahmsweise die von Gudrun erwähnte Petition auch unterschrieben habe. Nicht, weil ich ein Freund von PETA wäre, im Gegenteil kann ich deren Ziele – in der Form in der die sie üblicherweise vortragen – überhaupt nicht teilen, sondern weil ich mal wieder eher erschreckende Auswirkungen dieses Silvesterunsinns erleben musste:

    https://tageweiseunsortiert.wordpress.com/2018/01/03/krawumm/

    Deshalb wäre es mir wirklich am liebsten, dass diesbezüglich endlich mal Nägel mit Köpfen gemacht werden.
    Beim Bleigiessen gings doch auch, sogar ganz ohne grosses Gezeter. Und das ist lange nicht so Umweltschädlich wie Polenböller und ander Pyrotechnik in der Hand unvernünftiger Leute…

  5. Auch ich bin immer mal wieder ermüdet von der Petitionsflut, unterschreibe am Ende aber dennoch sehr, sehr viel, einfach weil es sehr viel gibt, was mich aufregt und wütend oder traurig macht. Wenn ich auf Change Org. mitbekomme, dass der/die eine oder andere AsylbewerberIn durch so eine Petition am Ende doch bleiben kann oder dass Rewe keine Plastiktüten mehr anbietet, dann sind das zwar Mini-Brötchen im Vergleich zu den großen Problemen, aber besser als gar nichts!! Mich würde mal interessieren, in welchen Bereichen du konkret fürchtest, eingeschränkt und unfreier zu werden. Für die Umwelt würde ich persönlich jedenfalls riesige Einschränkungen freudig in Kauf nehmen, z.B. rigorose Limitierung der Mobilität = Fliegerei nur in Ausnahmefällen, Kreuzfahrten ganz verbieten, Zuteilung einer bestimmten, recht bescheidenen Strommenge u.v.m.
    Gruß Smilla

  6. ach es wäre ja klasse wenn vernunft über die gier siegen würde
    ich unterschreibe petitionen weil ich hoffe sie werden gehört
    aber irgendwie glaub ich nicht dran 🙁

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