Tagebücher und Notizen

Dear Diary

Manchmal frage ich mich, wozu ich, neben dem Blog, auch noch analog Tagebuch schreibe. Genau genommen nicht eines, sondern zwei. Eines in dem Tageskarten und der ganze Hexenkram notiert wird und ein weiteres in dem ich mich einfach auskotze. Letzteres vernichte ich allerdings regelmäßig, weil es einfach niemanden etwas angeht. Ein Tagebuch wird nun mal von einer sehr subjektiven Warte und aus einer momentanen Stimmung heraus geschrieben worden und könnte anderen Leser und Leserinnen einen falschen Eindruck vermitteln.  Ich gestehe, ich bin ein Tagebuch- und Notizheftjunkie. Wann immer ich ausgehe, schleppe ich mindestens ein Notizheft und diverse Stifte mit mir herum. Gemessen an all meinen Notizen ist mein Output an Geschichten allerdings sehr gering. Manchmal frage ich mich, ob dieses dauernde Notieren mein Methadon ist, mit dem ich meinen Drang zu schreiben befriedige, ohne mich tiefer auf eine Geschichte einlassen zu müssen. Da drängt sich natürlich die Frage auf, bin ich eigentlich wirklich Autorin, wenn ich im Grunde nicht schreibe, sondern mir nur Geschichten ausdenke und notiere? In letzter Zeit habe ich mir oft gedacht, gib es doch auf, statt immer nur zu prokrastinieren. Ist ja nicht so, dass die Welt auf deine Geschichten wartet. Bei über 90 000 offiziellen Neuerscheinungen plus Tausenden von Selfpublishern geht dein Kram doch eh  unter, denn das mit dem Netzwerken hast du einfach nicht drauf. Und doch, obwohl eine solche Entscheidung eine Menge Druck nehmen würde, kann ich mich nicht durchringen sie zu treffen.

Bradbury Writers Cafe_cr

Komischerweise taucht immer dieses Bild auf, wenn ich gerade davor bin mich zur Aufgabe durchzuringen und dann … ja dann … kann ich es nicht. Also mache ich irgendwie weiter und hoffe, dass ich die Kurve kriege.

7 thoughts on “Tagebücher und Notizen

  1. Tagebuch??
    Ja, ich auch!

    Denn auch neben meinem Blog gibts durchaus noch Notizen – teils auf meinem Rechner, teils aber auch in einem speziellen Teil meines Denkapparates, zu denen immer mal wieder neue Gedanken und Themen hinzukommen.
    Und dabei geht es nicht darum, ob heute Regenwetter war oder die Sonne schien….

    Nun hab ich nicht den Ehrgeiz, diese Notizen in literarischer Form aufzuarbeiten, aber sie helfen mir, mich selbst immer mal wieder neu zu sortieren , oder auch, Frust dadurch zu verkleinern, dass ich mich schriftlich damit auseinandersetze…

    U.A. war mein Wiedereinstieg ins Bloggen ein Produkt dieses Notizhaufens, wobei ich dabei noch einige Themenkreise mehr im Kopf hatte, als ich bisher da veröffentlicht habe.
    Denn es ist ja auch immer ein Stück weit die Frage, wie weit ich mich traue, mein innerstes nach aussen zu drehen.

  2. „Ohne“ geht gar nicht, liebe Karin. Vielleicht mal mehr, dann wieder weniger. Und auch wenn es Methadon sein mag, why not? Es sind doch schöne Momente, in denen man mit sich ist und irgendwie in einem Raum der Stille. Also, bitte weiter machen!
    Liebe Grüße zu Dir
    Erika

  3. Wie Birgit schon schrieb – weiter soll es gehen – und diese Überlegungen kenne ich nur zu gut, doch das Katharsisgefühl nach jedem Blogeintrag ist an Köstlichkeit noch nicht mal von Schokolade zu übertreffen. Oder!!
    Gruß von Sonja

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