Dankbarkeit

Suka

Vor einigen Tagen sah ich bei Facebook einen Sticker mit der Aufforderung: Sei doch einfach mal dankbar für das was du hast. Ich schrieb in den Kommentaren: Das bin ich jeden Tag. Und es stimmt. Eigentlich wollte ich darüber schon Freitag schreiben, aber das war so ein Horrortag, dass die Sache mit der Dankbarkeit ein wenig von anderen Gefühlen überlagert war. Aber im Nachhinein stelle ich fest, auch an dem Tag war ich dankbar. Dankbar für Suka, die sich ja immer liebevoll um mich kümmert, wenn ich sehr schlecht drauf bin. Dann weicht sie mir nicht von der Seite. Dankbar für meinen Mann (dem ich am Nachmittag noch die Ohren abpflücken wollte), der mich einfach festgehalten hat, als ich nicht mehr aufhalten konnte zu heulen, weil ich so verletzt nach einer Auseinandersetzung war. Ich bin dankbar, dass wir die Ostsee vor der Tür haben. Dass wir in einem Haus wohnen, in dem die Nachbarn nett sind und es Gemeinschaft gibt. Für Freunde bin ich dankbar, es sind nicht viele, aber die die da sind, sind unschlagbar. Dankbar bin ich auch, wenn sich die Behauptung, dass Internetfreundschaften ja nichts Richtiges sind widerlegt. Wenn ich eine Facebookfreundin treffe, die gerade aus Norwegen kommt und wir uns auf einen Kaffee treffen, bevor sie weiterfährt. Ich kann sie aber gar nicht alle nennen, aber Birgit, Anja, und ihr anderen, ihr habt mir schon so oft über schlechte Phasen geholfen. Dankbar bin ich für die Musik, die Bilder und das Lachen, für die Bücher und die Wolle. Überhaupt ist da so vieles. Sicher gibt es auch vieles, was nun wahrlich nicht schön ist, zum Beispiel, dass es materiell immer eng ist … und doch … andererseits, es hat doch noch immer irgendwie gelangt. Wir haben gut und lecker zu essen und im Oktober gehen wir sogar ins Theater und machen eine Woche Urlaub, also wozu sich darüber aufregen, dass wir uns vieles nicht leisten können? Anderes haben wir dafür im Übermaß.

Mushrooms

Es sind die kleinen Dinge, die Zärtlichkeit, die Liebe und das Vertrauen, die alles so lebenswert machen. Gut sich mal wieder daran zu erinnern. Gut es einmal aufzuschreiben. Wenn ich das nächste Mal am Maulen bin, weil ich ja so arm dran bin, kann ich mir diesen Beitrag durchlesen und mich schämen, weil ich so undankbar bin.

Ich bin dafür

Ich bin dafür, wann immer es geht, aufs Wasser zu schauen

Ich bin dafür, für eine gewaltfreie Welt einzutreten

Ich bin dafür, zu lieben und aus vollem Herzen zu lachen

Ich bin dafür, meinen Mitlebewesen und der Umwelt mit Respekt zu begegnen

Ich bin dafür, gut zu Essen, zu Trinken, Musik zu naschen und zu tanzen

Ich bin dafür, einem Sterbenden die Hand zu halten

Ich bin dafür, mehr dafür und weniger dagegen zu sein.

Herr Braun, die Gitarre und der Hund

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Seit dreizehn Jahren ist Herr Braun eine ständige Quelle des Entzückens für mich. Er ist ein Mann mit vielen Talenten, einen ausgeprägten Sinn für Humor, ist zärtlich, aufmerksam, Anarchist und überzeugter Feminist. Was will Frau mehr! Nichts. Es ist gut so wie es ist. Auch wenn ich oft an den Umständen und an dem Zustand der Welt verzweifele, unsere Beziehung ist wundervoll. Vielleicht kommen wir so gut miteinander zurecht, weil wir uns relativ spät im Leben gefunden haben, vielleicht hätte es aber auch früher schon geklappt. Wer weiß das schon? Ist ja auch müsig, darüber zu spekulieren, die Zeit nutze ich lieber, um mich darüber zu freuen, dass wir uns überhaupt getroffen haben. Eines von Viktors Talenten ist das Gitarre spielen, er spielt noch einige Instrumente mehr, aber Gitarre eben auch mal so. Das Foto oben habe ich gemacht, als er das Abschiedskonzert für unseren japanischen Besuch gegeben hat. Außer der Wohnzimmermusik hat er gemeinsam mit zwei Freunden ein kleines Jazztrio am Laufen. Das Alotrio. Hier mal ein kleiner Eindruck. Dort spielt er in der Regel Bass.

Was ist heute bloß los mit mir? Eben habe ich schon einen langen Text über Suka auf Facebook verfasst, dessen Auslöser ihr heutiger Geburtstag ist. Nun schwärme ich von meinem Mann. Ist das Altersssentimentalität? Glaube ich im Grunde nicht, denn zu Sentimentalität neige ich nicht. Ich denke es ist eher Dankbarkeit für das, was ich habe.

 

Gestern Hamburg

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Gestern war ich also in Hamburg die Kinder besuchen. Ich bin bereits früh gefahren und so haben meine Tochter und ich noch einige Stunden für uns zum Kuscheln und Klönen gehabt, bevor das Enkelinnengewirbel los ging. Dann haben wir die Beiden von der Schule abgeholt und Jenni ist mit Melinda zum Taek Wan Do und ich habe mit Selena The last wild Witch von Starhawk vorgelesen, von dem ich wünschte das es eine deutsche Fassung gäbe. Da dies nicht der Fall ist und Selena zwar spanisch spricht, aber kein englisch musste ich erst auf englisch lesen und dann übersetzen. So hatte ich denn auch gleich Übung vor dem nächsten Arbeitstag.

Allerdings habe ich noch nicht mit der Arbeit angefangen. Jedenfalls nicht mit dem Übersetzen. Erst einmal habe ich eine Paprikapfanne gekocht und eine französische Apfeltarte kreiert, denn nachher kommt der appetitlose Dieter und wir wollen mal sehen, ob wir ihn locken können.

Es war anstrengend, es war wunderschön und ich hatte soviel Spaß mit meinen fantasievollen Nachkommen. Süß war die jüngere, die so ein Faible für Viktor entwickelt hat. Als ich mich verabschiedet habe, sagte sie: „Grüß den schönen Viktor von mir“. Was ich natürlich tat. Das Ergebnis ist, dass er nun mit stolzgeschwellter Brust durch die Gegend läuft.

Es ist so eine Freude diese Kinder zu sehen. Ich finde Jenni macht einen verdammt guten Job, so alleine wie sie vor allem steht. Die Kinder können ihre Intressen entdecken, sich entfalten, sie haben Fantasie und bekommen auch die nötige Zeit zum Träumen. Natürlich hat das einen Preis. Jenni ist oft überfordert, auch wenn meine Schwester, die dichter dran wohnt als ich, viel hilft und ich auch öfter mal nach Hamburg möchte. Meisten stehe ich ja nur telefonsich mit aufmunternden Worten und Rat und Tat zur Seite.