Nächste Stufe: Zu schwach für Besuch

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Gestern konnten wir das erste Mal nicht zu Dieter. Wir waren bereits im Hospiz und wurden vom Pflegepersonal informiert, dass er sich nicht in der Lage fühlt Besuch zu empfangen. Wir rufen nicht mehr direkt bei Dieter an, weil er kaum noch das Telefon abnimmt und weil das dauernde Klingeln doch stören würde, sind aber mit den Schwestern so verblieben, dass wir im Stationszimmer anrufen, ob Besuch genehm ist. Eben habe ich mit einer Schwester gesprochen und die berichtete, dass er neben dem Essen und Trinken nun auch die Pflege abgelehnt hat. Er scheint nur noch Ruhe zu wollen … und die soll er haben.

Viktor und ich sind sehr dünnhäutig zur Zeit und haben es besonders schwer mit Dieters Freundin zu kommunizieren, die irgendwie nicht zu begreifen scheint, dass er sich bewusst dazu entschieden hat, nicht mehr zu essen und zu trinken. Seine und Viktors Mutter hat es genau so gehalten. Die haben wir Drei ja vor 12 Jahren in den Tod begleitet. Das war eine sehr intensive Zeit, in der Dieter und ich uns sehr nahe gekommen sind. An diese Wochen denke ich viel zur Zeit. Auch damals war es dieser komische Zwischenzustand. Dieses auf der Türschwelle stehen. Es ist als wenn alles in Slow Motion geschieht. Der Alltag plätschert so vor sich hin. Wir arbeiten nur reduziert, machen ihr Dinge die uns gut tun, wie spazierengehen, fotografieren und Handarbeiten. Letzteres wird allmählich zur Sucht. Gestern habe ich mir die Wolle für meiner Winterjacke geholt. Eher ein Poncho. Wer mal gucken will, hier bei Drops Design. Ich habe allerdings eine andere Wolle genommen, als die vorgegebene.  Auch habe ich zu Häkeln begonnen. Mein erstes Dreieckstuch im Muster Halfgranny mit schmalem Spitzenrand ist fertig. Ich bin schon sehr stolz.

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Die Spitzenkante sollte eigentlich üppiger, aber dafür reichte die Wolle nicht. Ich bin auch so zufrieden und werde gleich das nächste in Angriff nehmen. Ich habe fest gestellt, dass die Chance etwas fertig zu bekommen, bei mehreren Projekten gleichzeitig größer ist und ich hab die Hände beschäftigt. In Zeiten wie diesen, ist immer die Gefahr groß mit dem Rauchen anzufangen.

7 thoughts on “Nächste Stufe: Zu schwach für Besuch

  1. Noch einmal wünsche ich euch viel Kraft. Es ist gut, dass Dieter nicht allein ist. Das Ablehnen von Essen und Trinken habe ich damals bei meinem Vater auch nicht verstanden und akzeptieren wollen. Ich habe sogar den Notarzt geholt, weil ich Angst hatte, dass esr verhingert. Das tut er nicht, sagten sie mir, aber richtig erklären, was passiert, konnte und wollte keiner. Ich finde es gut, dass du darüber schreibst.
    Handarbeiten sind wirklich gut, um sich zu beschäftigen und auch bei Laune zu halten. Ich habe damals angefangen, als ich eine Schafherde traf und deren Wolle toll fand. Das hat mir das Leben gerettet. Inzwischen muss ich mein Leben nicht mehr retten, aber die Schafe und Handarbeiten haben es mir immer noch angetan.
    Liebe Karin, ich drück dich mal aus der Ferne.

    1. Danke Gudrun. In Arm nehmen kann ich gut gebrauchen. Und raus zum Fotografieren. Waren wir heute. Nun werde ich mich mit dem Strickzeug verziehen. Alles Liebe Karin

  2. Für solche Kunstwerke hätte ich keine Geduld…. Hut ab. Der Poncho gefällt mir auch sehr. Ich habe mir gerade Wolle von der Hallig Hooge bestellt und will mal wieder ans Spinnrad.
    Martin erlebt das ja täglich, das Menschen nicht mehr wollen und dann auch nicht mehr essen und trinken, allerdings mit professionellem Abstand. Wenn es Angehörige trifft, ist das was anderes. Viel Kraft Euch.

    1. Ach das Teil war schnell gehäkelt mit der Spitze hatte ich ein wenig zu tun, aber der Rest war pas de problem.
      Das mit dem nicht mehr essen und trinken wollen, haben wir ja schon mit Viktors Mutter durch. Ich kann da ganz gut mit, finde es nur konsequent. Natürlich ist es schwer, als AngehörigeR, aber so ist es einfacher, es zeigt ja, dass der Sterbende gehen will. Ich habe das auch schon anders erlebt. Danke für die lieben Wünsche

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