Nächste Phase: Morphium

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Heute war Besuchstag im Hospiz. Selena wollte sich von Dieter verabschieden. Da sie frühstens zu den Herbstferien wiederkommt, ist wohl nicht damit zu rechnen, dass sie ihn noch einmal sieht. Leider! Heute hat eine neue Phase begonnen, Dieter hatte ein Morphiumpflaster kleben und wirkte sehr abwesend. Wir wollte ihn auf dem Laufenden über seine Finanzen halten, doch das hat ihn alles nicht interessiert. Er zeigte nur Interesse an einigen Fotos, die Freunde ihm geschickt haben, ermüdete denn aber schnell. Sogar Beethoven läuft nicht mehr. Es ist sehr traurig und besonders Viktor tut sich schwer seinen großen Bruder so zu sehen. Mir auch, es ist so ungewohnt, dass man dem Herrn Schwager von einer politischen oder behördlichen Schweinerei berichtet und er keinen Wutausbruch bekommt und nicht die Massen zur Revolution führen will. Aber er ist noch da und das ist gut. Ich weiß, dass es vernünftig wäre los zu lassen und es ihm leichter zu machen zu gehen, aber soweit sind weder Viktor noch ich.

4 thoughts on “Nächste Phase: Morphium

  1. Ihr macht das schon richtig, der Viktor und Du.

    Auch, wenn Dein Schwager so abwesend wirkt und scheinbar immer weniger Interesse an der Welt hat, so ist es trotzdem gut, ihn weiter einzubeziehen – zumal die Veränderungen, die Ihr beobachtet vermutlich eine Folge der Morphinpflaster sind. Denn die nehmen ein Stück weit die Angst und die Menschen werden gelassener und ruhiger.

    Den Prozess des Loslassens wird er wahrscheinlich selbst anstossen, wenn er beginnt, von der Welt Abschied zu nehmen

    1. Danke, manchmal komme ich mir wie die Totenfrau vor. Schon so viele durch den Krebs bis zum Ende begleitet und ich habe keinen Pflegeberuf gelernt. Habe aber immer gerade die letzten Phasen als sehr wichtig und intensiv erlebt.

  2. Es ist einfach gut, dass ihr da seid für ihn. Manchmal reicht das und dass ihr ihn ab und zu die Hand haltet.
    Ich finde es gut, dass ihr die Enkelin mitgenommen habt. Das, was jetzt passiert, gehört zum Leben dazu. Die meisten halten das nicht mehr aus, gehen allem lieber aus dem Wege.
    Ich wünsche euch allen Kraft.

    1. Wir haben Selena halt jedes Mal gefragt, ob sie mit will und sie wollte. Dieter hat sich immer gefreut. Wir werden bis zum Ende mit ihm gehen.

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