Gewohnheiten durchbrechen

Achtsamkeit

Ich bin Gewohnheiten gegenüber mißtrauisch. Natürlich, weiß ich sie auch zu schätzen, denn sie signalisieren Sicherheit. Allerdings eine trügerische, denn alles verändert sich ständig und immer. Darum neige ich dazu Gewohnheiten zu durchbrechen und zwar immer dann, wenn ich zu denken beginne: Ich muss … zum Einschlafen Hörbuch hören, meinen Fotoapparat dabei haben, immer die gleichen Wege gehen. Sowie sich ein „ich muss“ meldet, beginne ich in Frage zu stellen.

Nehmen wir ein Beispiel, seit einiger Zeit stelle ich mir zum Einschlafen ein Hörbuch auf dem Tablet ein, was natürlich auch bedeutet, dass das Teil auf meinem Nachtisch liegt, was ich eigentlich nicht will, weil ich dann morgens oft als erstes Mails checke und mal bei Facebook längs gucke. Jedenfalls war ich auf einmal fest davon überzeugt, nicht ohne Hörbuch einschlafen zu können. Gestern war es besonders extrem. Ich wollte schon schlafen, Viktor noch lesen. Da ist Hörbuch natürlich schlecht. Jedenfalls wurde ich unruhig und sogar sauer auf Viktor, weil er sein Buch nicht weglegte. Er tat es dann schließlich, alles war wieder eitel Sonnenschein und mit Mord im Pfarrhaus ging es in die Traumzeit. Heute morgen nun dachte ich über den Vorfall nach und sah mir meine Gedanken und Gefühle genauer an. Mein Gefühl sagte, ich werde ohne Hörbuch nicht einschlafen. Wenn ich nicht einschlafen kann, dann bin ich am Morgen nicht frisch, dann bin ich den Tag knartschig und überhaupt ist dann alles Mist. Dann sah ich mir das Gefühl näher an und dachte, ist es denn so schlimm, wenn du nicht einschlafen kannst? Das ist doch schon oft vorgekommen, was hast du denn früher gemacht? Gelesen! Aber wenn du ein Buch nimmst, machst du Licht an und das stört Viktor. Quatsch, du hast den Reader, da brauchst du kein Licht. Ja, aber ich bin morgen nicht ausgeschlafen. Das ist doch aber keine Katastrophe, du hast keine Termine und selbst wenn du welche hättest, dann würdest du dich im Anschluss eine Stunde hinlegen und gut. Stimmt schon, aber ich bin eigentlich zu müde zum Lesen und kann doch nicht einschlafen. Das macht doch aber nichts, du könntest doch auch einfach ruhig daliegen und ein wenig denken oder dir selbst eine Geschichte erzählen. Also was soll das ganze Gewese?

So in etwa meine Gedanken zu dem Thema. Das Fazit war, ich habe erkannt, dass es an der Zeit ist, eine zeitlang auf meine elektronische Gute Nacht Geschichte zu verzichten, da ich beginne mich davon abhängig zu fühlen und rücksichtslos zu werden.

Was mich vor allem an dem Durchbrechen von Gewohnheiten interessiert ist, wie sich die Wahrnehmung verändert. Das fällt mir extrem bei dem Projekt „andere Wege gehen“ auf. In der Regel geht man ja bei den täglichen Besorgungen immer die gleichen Strecken ab und nimmt nicht mehr viel wahr, was besonders auffällt, wenn man, wie wir, das meiste zu Fuß abgeht. Vor einigen Jahren nun, haben wir uns das mit dem andere Wegen gehen ausgedacht und es ist spannend was einem alles auffällt, wenn man die übliche Einkaufsrunde einfach einmal andersherum geht oder einen Schlenker durch eine Seitenstraße macht.

Im Grunde ist es einfach und bereichernd. Man muss sich ja nicht gleich für immer von einer Gewohnheit trennen, aber einfach mal versuchen einige Tage ohne das gewohnte auszukommen, ist sehr erhellend. Besonders, wenn man dabei seine Gefühle bewusst wahrnimmt und analysiert.

 

 

4 thoughts on “Gewohnheiten durchbrechen

  1. derzeit sind sie mir noch wichtig weil sie den alltagsablauf erleichtern
    allerdings bin ich auch schnell gelangweilt und muss dann neue blickwinkel suchen
    worüber ich mich ärger ist oft reine kopfsache
    genauso was mich erschöpft
    ich sollte viel offener sein denken träumen handeln

  2. Manche Gewohnheiten sind ja auch praktisch. Mir geht es beim Durchbrechen hauptsächlich darum, neue Erfahrung zu machen. Ich bin neugierig, will wissen, wie es sich anfühlt und so. Vor allem will ich nicht abhängig sein. Das ist mir sehr wichtig.

  3. wie heilsam deine Erkenntnisse. Wenn ich nicht schlafen kann liege ich auch einfach da, lass den Gedanken freien Lauf, schau mir beim denken zu, manchmal rufe ich mich auch zur Ordnung, wenn sie all zu freudig durch die Gegend hüpfen und darüber schlafe wieder ein oder steh auf, geh ins andere Zimmer und dann schaun wir mal … lesen, Computer und wenn ich wieder müde bin lege ich mich hin. Als ich noch täglich ins BÜro musste hatte ich oft Panik. Heute genieße ich den Luxus, ich kann machen was ich will 🙂

    1. Das genieße ich auch. Durch die Freiberuflichkeit kann ich mir, außer ich habe einen Kurs laufen, meinen Tag frei einteilen. Das ist immer wunderbar.

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