Ein merkwürdiger Geburtstag

Tod Arosenius

Heute hat der Herr Schwager Geburtstag und wir sind mit Kuchen und Kaffee im Hospiz angerückt. Als ich ihn sah, musste ich daran denken, was ich heute Morgen, als Kommentar bei der Wildgans zum Wort des Tages „July“ geschrieben haben: „Der Anfang vom Ende“. Es scheint nun recht schnell zu gehen. Linksseitig ist der Lymphknoten am Hals stark geschwollen, gut Kinderfaust groß ist das Teil, und er hat schon wieder Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Morgen kommt die Urologin. Der Arzt im Hospiz meinte zu uns, dass er Anfangs nicht verstehen konnte, wieso Dieter mit einem Dringlichkeitsattest geschickt wurde, doch nun sieht er selber, dass er rapide verfällt.

Rotfinger

Wir haben trotzdem versucht gute Laune zu verbreiten, haben den Tisch, mit sehr netter Unterstützung des Personals, hübsch gedeckt und sogar ein Glas Sekt mit ihm getrunken. Dieters Freundin hat ihm Schubert und Bach auf dem Klavier vorgespielt und er hat sich von Viktor gewünscht, dass er die Gitarre mitbringt und ihm Bach Bouree vorspielt. Das Stück hat Viktor auf der Beerdigung seiner Mutter gespielt.

Viktor und ich haben allerdings drei Geburtstagskarten verschrieben, bevor wir etwas Herzliches, aber doch Neutrales hinbekommen haben. Ist gar nicht so einfach, wenn man weiß, dass es der letzte Geburtstag sein wird.

Im Augenblick kriege ich mich kaum ein, und mir stehen die Tränen in den Augen. Morgen muss ich auch noch mit Suka zum Tierarzt. Die Lymphknoten in den vorderen Achselhöhlen sind geschwollen. Das lässt auch nichts Gutes befürchten. Bestenfalls ist es einfach was Teures.

Das obere Foto zeigt übrigens ein Bild des unvergleichlichen Ivar Aroesenius. Zu jeder anderen Zeit wäre es als Geburtstagskarte für Dieter geeignet gewesen, noch letztes Jahr hätte er sich köstlich darüber amüsiert. Diesmal konnten wir es nicht über uns bringen.

Ich habe ja immer behauptet, dass 2016 ein Arschlochjahr ist. Die erste Hälfte 2017 verdient schon das Prädikat Arschlochjahr-plus.

 

2 thoughts on “Ein merkwürdiger Geburtstag

  1. Dein Beitrag berührt mich sehr. Ich bin jetzt auch den Tränen nahe. Es ist nicht leicht, besondere Tatsachen zu akzeptieren und dafür auch noch die richtigen Worte zu finden.
    Ich drück dich mal aus der Ferne.

    1. Danke Gudrun. Er tut mir so leid. Viktor auch, wenn Dieter stirbt, ist seine letzte Verbindung nach Hause gekappt und er hängt so an seinem großen Bruder.

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