Die Sache mit dem Armsein

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Dass wir nicht viel Geld haben, dürften ja mittlerweile alle die hier mitlesen mitbekommen haben. In der Regel macht es mir auch nichts aus arm zu sein. Wir haben Prioritäten gesetzt und in der Regel kommen wir über den Monat und wenn es gut läuft, verdrängt man gerne, dass wir so gut wie keine Rücklagen haben, oft genug auf Kulturveranstaltungen verzichten müssen und so einige Male am Verzweifeln waren, wenn etwas kaputt ging, was dringend gebraucht wird.

Besonders bewusst geworden ist mir dies in letzter Zeit. Viktor hat ein wenig Geld von seinem Bruder geerbt. Nicht viel, aber doch soviel, dass wir einiges im Haushalt ersetzen konnten. Unser alter Herd, der schon lange ein wenig muckte, und wir immer Angst hatten, dass er den Geist aufgibt, die Lattenrosten, die schon so oft geflickt waren, dass es wirklich nicht mehr ging, mein Rechner war auch dabei sich zu verabschieden und was Kleidung betrifft, sagen wir mal so, eine vernünftige Regenjacke habe ich schon lange nicht mehr und finde auch Second Hand kaum etwas in meiner Größe (die geht schon eher in Richtung Nordlandzelt). Wir haben also die letzte Zeit ein wenig Geld ausgegeben und uns gefreut, dass wir vorbeugen konnten. Mit dem was wir jetzt angeschafft haben, werden wir über die nächsten Jahre kommen. Mir ist erst jetzt, wo es möglich war für Ersatz zu sorgen, ohne dass sich die Frage stellt, wovon wir die nächsten Wochen leben wollen, aufgefallen, wie sehr mir die angespannte finanzielle Lage doch oft an den Nerven zerrt.

Es geht gar nicht darum zu klagen. Wir sind zwar finanziell immer knapp, aber wir leben nicht schlecht und oft hat es sich auch in Notsituationen irgendwie geregelt. Doch es ist nicht schön, so gar keine Sicherheit zu haben und immer darauf angewiesen zu sein, dass jemand hilft.

Übrigens standen wir gestern voller Glück vor dem neuen Herd und waren schier überwältigt, dass wir uns so ein Teil gekauft haben (ohne noch 2 Jahre Raten abzustottern), dann wurde es klar, dass es für uns beide, mit unseren über 60 Jahren, der erste neue Herd war. Vorher haben wir immer gebrauchte Teile gehabt. Überhaupt haben wir kaum neue Möbel, was ja auch in Ordnung ist, mir gefällt das. Aber komisch ist es schon. Vor allem wenn ich bedenke, dass mein Schwager (nicht der tote) erzählte, sie hätten ihren drei Jahre alten Herd aussortiert und durch einen neuen ersetzt, weil man ja einfach technisch auf dem neusten Stand sein muss.

Mir ist natürlich sehr bewusst, dass diese Phase der finanziellen Erleichterung nicht anhalten wird. Soviel ist es wie gesagt auch nicht. Doch ich habe keine Lust an die Zeit zu denken, wenn es wieder knapp ist. Das ist mein neues Projekt, mich im hier und jetzt freuen und nicht sorgenvoll an die Zukunft zu denken … und selbst, wenn es wieder enger wird. Wir haben neue Lattenrosten und einen neuen Herd und ein paar Euro auf der Seite, falls Suka krank wird und wir zum Tierarzt müssen.

3 Gedanken zu „Die Sache mit dem Armsein

  1. „Das ist mein neues Projekt, mich im hier und jetzt freuen und nicht sorgenvoll an die Zukunft zu denken …“

    Genau richtig so, Karin.

    In meine Sprache kurz und prägnat übersetzt ist das genau das, was ich mit dem Wort „schaumermal“ ausdrücke 🙂

  2. Ich kann das schon gut nachvollziehen, ich habe diese Zeiten ja auch gehabt. Und mit kaum Aussicht auf Besserung. Mir hat man damals geraten, Rente zu beantragen wegen meiner Krankheiten. Es war nicht das Geld, das mich aus dieser damaligen Spirale getrieben hat und ich kann ja heute zum Glück sagen, das ich eine Arbeit mache, die ich sinnvoll finde und die mir Spaß macht. Aber ich gebe zu, das es uns inzwischen finanziell deutlich besser geht als damals, als Schwiegervater uns die Bahnfahrten zwischen Bielefeld und Hamburg sponsoren mußte, das ist mir nicht unangehm. Mich hat das damals schon sehr belastet und ich bewundere jeden, der damit zu „leben“ lernt, ohne zu verzweifeln oder bitte zu werden. Ich habe immer noch Existenzängste, die ja nun inzwischen gänzlich unbegründet sind, aber sicherlich eine Folge meiner HartzIV Zeiten. Ich ziehe echt meinen Hut, wie Ihr das wuppt, dazu noch Euren Verlag macht und all das andere, was Ihr so auf die Beine stellt. Ich könnte das nicht, ganz ehrlich.

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