Den Tatsachen ins Auge sehen

Den Tatsachen ins Auge

Zugegeben, es ist nicht immer leicht und oft genug möchte ich die Augen verschließen, aber was bringt das? Nichts! Also mit offenen Augen durch. Nicht immer schön. Im Augenblick ist es die Situation von Schwager Dieter, vor der wir die Augen nicht mehr verschließen können. Es geht dem Ende zu, zwar kann sich der Weg hinziehen, aber an Heilung glaubt mittlerweile niemand mehr. Habe ich allerdings von Anfang an nicht, dafür habe ich zu oft Krebspatienten begleitet. Doch irgendwie hofft man ja doch … Viktor meinte neulich mal wieder: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ (er neigt zu Platitüden, wenn er nicht weiter weiß) und ich dachte: Aber sie stirbt … und dann der Patient, Genau genommen also stirbt die Hoffnung zu vorletzt (ich neige dazu mich an Kleingkeiten aufzuhängen, wenn ich mich hilfos fühle).

Diese Hilflosigkeit ist es, die mir zur Zeit so zu schaffen macht. Wir sind uns einig, dass Dieter soviel Selbstständigkeit und Selbstbestimmung wie möglich behalten soll. Doch wo ist die Grenze? Ab wann sind wir gefragt, uns einzuklinken? Ich zum Beispiel denke, er sollte nicht mehr Autofahren, weiß aber, dass es für ihn ein letztes Stück Freiheit ist. Da frage ich mich: Kann ich mich darauf verlassen, dass er seine Grenzen erkennt? Oder die Sache mit der Nachlassregelung, es wäre wichtig, dass er sich da kümmert, aber diese Sachen, will er nicht angehen , weil er sich dann der Tatsache wirklich sterblich zu sein stellen muss. Patientenverfügung ist auch so ein Thema. Wäre wichtig, besonders jetzt. Es ist nervig und anstrengend, um Sachen, die eigentlich für jeden verantwortungsbewussten Menschen selbstverständlich sein sollten, zu ringen. Ich mag gar nicht dran denken, was auf uns zukommt, wenn solches nicht im Vorwege geregelt wird.

6 thoughts on “Den Tatsachen ins Auge sehen

  1. Ich bin immer froh, das meine Mutter all dies geregelt hat. Patienten-und Betreuungsverfügung hat sie detailliert ausgearbeitet. Testament muß sie keins machen, ich bin eh die alleinige Erbin. Aber davor, das sie mal nicht mehr Autofahren kann oder nicht mehr für sich sorgen kann, davor graut mir auch. Allerdings glaube ich, auch für den Fall hat sie vorgesorgt und wird ihrem Leben ein Ende setzen.

    1. Leider ist D. nicht so sortiert und tut sich schwer mit dem Loslassen. Das wird noch ein harter Kampf. Das Testament ist die Sache, die mir am wenigsten querliegt, aber Patienten- und Betreuungsverfügung, dass wäre schon wichtig.

  2. Man sollte das alles wahrscheinlich regeln, wenn das Sterben noch gar nicht ansteht. Ich kann schon verstehen, dass es später verdrängt wird. Ach Mensch, ich wünsche mur, das ihr das alles noch hinbekommt.

    1. Verstehen kann ich den ersten Widerstand gegen den Gedanken, aber da man nun mal irgendwannn sterben muss, sollte man diesen vernünftigerweise überwinden. Danke für deine lieben Wünsche.

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