Trauerfeier

heaven

Nun haben wir einen weiteren Meilenstein in Sachen Abschied hinter uns gebracht. Heute war die Trauerfeier. Wir haben uns sehr gefreut, dass so viele gekommen sind, besonders dass einige der politischen Weggefährten sich von weit her aufgemacht hatten. Es war eine schöne Feier, kein Brimborium, 3. Satz aus Beethovens 5. Sinfonie zur Einleitung, dann die Rede von Helmut Sturmhöbel, der ein gutes Gleichgewicht zwischen den sehr entgegen gesetzten Elementen in Dieters Leben gefunden hat und berührende Worte fand. Danach noch einmal Musik Händels Largo aus Xerxes.

So wunderschön. Nach dem Kaffeetrinken ging es denn nach Hause und uns ist auch nicht nach Ausgehen heute. Morgen werden wir vielleicht eine kleine Tour machen, aber so genau wissen wir es noch nicht. Nach all den strikten Terminen und Pflichten, mit denen es ja nächste Woche weitergeht, werden uns ein paar Tage einfach rumdümpeln gut tun.

Passend zum Ende des Tages hat es zu regnen begonnen. Ich denke ich gehe heute früh zu Bette.

Angeschlagen und auf Autopilot

Angeschlagen

Bis dato war es eine anstrengende Woche und ich habe auf Autopilot umgeschaltet. Aber es sind die wichtigsten Termine, bis auf die Trauerfeier, abgearbeitet. Heute morgen sind wir früh los und haben unsere neuen Ausweise abgeholt, gestern haben wir mit dem Entrümpler gesprochen, der bereits nächsten Dienstag tätig werden will. Da kriegte der Liebste einen Anfall von „aber-wir-können-doch-nicht-Dieters-Sachen-so-schnell-weggeben“. Beruhigte sich aber einigermaßen zügig wieder, nachdem ich ihn mir zur Brust genommen habe und nun wird es wie geplant von Statten gehen. Es geht nicht an, dass wir da ein Museum erhalten, und es geht auch nicht an, dass mehr und mehr Sachen hier  landen. Es wird Zeit, zumindest in der Wohnung, einen Abschluss zu finden. Viktor weiß das auch, vom Kopf her, doch gefühlsmäßig ist es eben hart, was ich ja auch verstehen kann, aber einer muss einen klaren Kopf behalten und eben manchmal auch ein Machtwort sprechen. Es gibt allerdings Momente, da wünsche ich mir, ich könnte es sein, die sich ihren Gefühlen überlässt und jemand anders könnte vernünftig sein.

Morgen ist also die Trauerfeier und danach noch Kaffeetrinken und funktionieren. Dann nach Hause und sehen, wie es weitergeht. Wir haben einige ruhige Tage vor uns, an denen wir uns verbarrikadieren oder ein wenig rausfahren werden. Ans Wasser ist ja immer gut für die Seele oder nach Kappeln, dort gibt es einen Wollladen, der ein recht interessantes Angebot hat. Außerdem ist Kappeln immer schön.

 

Fotografieren geht immer

Der Liebste

Heute haben waren wir mit Suka im Tannenberger Gehölz und haben fotografiert. Das geht irgendwie immer. Da kann man noch so traurig, noch so bedrückt sein. Uns hat die Runde sehr gut getan. Danach haben wir geräumt. erst einmal in unserer Wohnung, denn da noch ein zwei Teile aus Dieters Wohnung zu uns sollen, brauchen wir Platz. Unter anderen bekomme ich ein Nähtischen, dass bereits meiner Schwiegermutter gehört hat, die in Heimarbeit Trikotagen genäht hat. Das hätte ich schon gerne vor 12 Jahren bekommen, aber da war Dieter schneller und ich habe es ihm auch gegönnt.

Eigentlich wollten wir heute noch viel mehr schaffen, doch wir sind geschafft. Macht nichts. Heute morgen haben wir fein ausgeschlafen. Das erste Mal seit Wochen wieder.

Mir graut allerdings vor der Zeit nach der Trauerfeier und nach dem Räumen der Wohnung, erfahrungsgemäß funktioniere ich in Zeiten der Not wundervoll … und breche zusammen, wenn alles geregelt, alles getan ist. Dann geht es meistens in ein tiefes Loch. Mal sehen in wie weit ich da vorbeugen kann.  Erste Anzeichen machen sich schon bemerkbar. Wird Zeit das ich zum Schreiben komme.

Trauer und Lachen

Völker hört die Signale

Bei aller Trauer schafft es mein lieber Schwager immer noch, mich zum Lachen zu bringen. Zum Beispiel, als wir heute morgen seine Aktentasche ausgeräumt haben. Er dürfte einer der wenigen Menschen gewesen sein, die mit dem Liederheft „Völker, hört die Signale! Revolutionäre Kampflieder der Arbeiterklasse“ ins Hospiz gezogen ist.

Dabei hat er die letzten Wochen kaum die alten Kampflieder gehört, sondern Beethovens Fidelio rauf und runter. Und Beethoven wird es auch auf der Trauerfeier geben. 5. Sinfonie 3. Satz.

Abschied

dieter und Viktor

Nun hat Dieter es geschafft. Heute Nacht hat er sich aufgemacht und wir haben uns heute morgen verabschiedet. Er sah so friedlich aus und wir waren sehr dankbar dafür, dass sein Leiden nun ein Ende hat. Traurig sind wir nur, weil wir ihn nicht mehr haben und weil er überhaupt sterben musste.

Für uns beginnen nun noch einige turbulente Tage, mit der Haushaltsauflösung und allem anderen, was so an einer Beerdigung hängt. Danach müssen wir uns denn sortieren und sehen wie es für uns weitergeht. Denn gerade die letzten Monate hat Dieter fast den gesamten Raum eingenommen und alles andere kam zum Stillstand. Es war eine sehr intensive und sehr wichtige Zeit für uns. Ich hoffe sehr, dass wir ihm seine letzte Zeit ein wenig leichter machen konnten.

Das Ende ist nahe

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Heute waren wir nur kurz im Hospiz. Dieter ging es so schlecht, dass er seine Ruhe wollte, also sind wir gegangen, haben aber vorher noch mit der Schwester gesprochen, die sagte, was ich schon wusste: Dass es nun nicht mehr lange dauern wird. Natürlich war das die ganze Zeit klar, aber man gewöhnt sich so an die Routine, auf Besuch zu fahren und irgendwann ist man überrascht, dass es nun wirklich zu Ende geht. Ich muss gestehen, mir graut vor der Zeit „danach“, vor den ganzen Dingen, die erledigt werden müssen und vor allem vor den Auseinandersetzungen mit seiner Freundin, die sich auch im Hospiz bereits unbeliebt gemacht hat. Man bat uns heute doch einmal mit ihr zu reden, dass sie nicht so eine Unruhe verbreiten soll, sondern einfach seine Hand halten und da sein. Was natürlich für eine, die sich für die Hauptleidtragende in dem Drama hält und nicht den Sterbenden, unmöglich ist. Viktor hat versucht es ihr zu verklickern, doch ich befürchte, die Botschaft ist nicht angekommen. Ich hoffe wir kriegen die Beerdigung und die Trauerfeier ruhig über die Bühne und die Situation eskaliert nicht.

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Im Anschluss ans Hospiz waren wir eingeladen bei einer lieben Freundin und haben schön in der Sonne gesessen und geklönt. Da gab es auch lecker Kuchen, den ich leider nicht fotografiert habe. Nächstes Mal.

 

Hekate – an der Wegkreuzung

Hekate

In letzter Zeit ziehe ich dauernd Hekate als Tageskarte. Die Wegkreuzung, es wird also Zeit Entscheidungen zu treffen, wie es weitergehen und vor allem wohin es gehen soll. Hatten heute ein ernstes Gespräch und eine Entscheidung ist gefallen. Da es noch ein wenig Finetuning braucht, dazu später mehr. Erleichterung und Trauer halten sich die Waage. Also einen Weg haben wir ausgesondert. Doch wo soll es hingehen. Ich glaube ich halte es mit Robert Frost:

Im Wald zwei Wege boten sich mir dar,

ich nahm den, der weniger betreten war,

und dies veränderte mein Leben.

Eine Empfehlung die diese Karte hat, ist, wage den Sprung ins Leere.

Die tägliche Routine

leuchter

Während unser Alltag sonst eher von Büchern, Musik und Hundespaziergängen bestimmt war, sind es jetzt die Besuche im Hospiz, die Fahrten in die Messihölle und Seelenstreichler, wie Ausflüge und Kuchenessen.

Heute war es im Hospiz besonders anstrengend, obwohl wir Dieter es ein wenig bequemer machen konnten, er hat sogar ein wenig getrunken, atmet aber extrem schwer und man hat den Eindruck, jeder Atemzug könnte der Letzte sein. Das dem nicht unbedingt so sein muss, ist klar, nur man wünscht es ihm … und ja, auch uns.

Heute war es besonders wichtig, dass wir noch etwas Schönes machen, bevor es zurück nach Hause ging, also haben wir ein altes Lieblingscafé von uns besucht. Das ist nun allerdings von der Lieblingscaféliste gestrichen, ob seiner neuerdings horrenden Preise. War aber gut noch mal da gewesen zu sein. Nun sind wir wieder daheim und lassen es uns gut gehen, soweit es geht.

Die Sache mit Dieter, diese Phase des Abschieds hat auch noch einiges andere in Gang gesetzt, es gibt noch so einiges mehr, von dem wir uns verabschieden müssen … sollten. Es ist Zeit einige aufgeschobene Veränderungen anzugehen. Noch tue ich mich schwer, aber es muss wohl sein.

Pelzerhaken

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Heute ging es, wie man dem Posttitel unschwer entnehmen kann, nach Pelzerhaken. Jenni und die Kinder sind dort im Urlaub und haben drei Wochen Meer und Strand, was ihnen sicher gut tut. Es war ein wunderschöner Tag. Viktor und ich waren mit Selena am Strand und Jenni ist mit Melinda zum Schwimmkurs gewesen, wobei die kleine Krabbe mal eben, eigentlich nebenbei, ihr Seepferdchen gemacht. Nun können beide Mädchen schwimmen und keine von Beiden will mit ihrer alten Oma in die Ostsee. Na ja, ich habe da ja auch alleine Spaß. Melinda meinte übrigens, ich habe gut ausgesehen als ich erwachsen war. Als ich daraufhin richtig bemerkte, dass ich ja immer noch erwachsen wäre, bekam ich zur Antwort: Nein, nun bist du alt! Wo sie recht hat …

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Es war ein Tag voller Leichtigkeit und Lachen, was wir dringend brauchen konnten. Die letzten Tage waren sehr intensiv und wir brauchten dringend eine Ablenkung. Als wir nach Hause kamen, leuchtete die Lampe des Anrufbeantworters, was uns sofort erblassen ließ. Aber alles gut, war nur der von Dieter gewünschte Trauerredner. Er will morgen zu Besuch gehen.

Nächste Stufe: Zu schwach für Besuch

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Gestern konnten wir das erste Mal nicht zu Dieter. Wir waren bereits im Hospiz und wurden vom Pflegepersonal informiert, dass er sich nicht in der Lage fühlt Besuch zu empfangen. Wir rufen nicht mehr direkt bei Dieter an, weil er kaum noch das Telefon abnimmt und weil das dauernde Klingeln doch stören würde, sind aber mit den Schwestern so verblieben, dass wir im Stationszimmer anrufen, ob Besuch genehm ist. Eben habe ich mit einer Schwester gesprochen und die berichtete, dass er neben dem Essen und Trinken nun auch die Pflege abgelehnt hat. Er scheint nur noch Ruhe zu wollen … und die soll er haben.

Viktor und ich sind sehr dünnhäutig zur Zeit und haben es besonders schwer mit Dieters Freundin zu kommunizieren, die irgendwie nicht zu begreifen scheint, dass er sich bewusst dazu entschieden hat, nicht mehr zu essen und zu trinken. Seine und Viktors Mutter hat es genau so gehalten. Die haben wir Drei ja vor 12 Jahren in den Tod begleitet. Das war eine sehr intensive Zeit, in der Dieter und ich uns sehr nahe gekommen sind. An diese Wochen denke ich viel zur Zeit. Auch damals war es dieser komische Zwischenzustand. Dieses auf der Türschwelle stehen. Es ist als wenn alles in Slow Motion geschieht. Der Alltag plätschert so vor sich hin. Wir arbeiten nur reduziert, machen ihr Dinge die uns gut tun, wie spazierengehen, fotografieren und Handarbeiten. Letzteres wird allmählich zur Sucht. Gestern habe ich mir die Wolle für meiner Winterjacke geholt. Eher ein Poncho. Wer mal gucken will, hier bei Drops Design. Ich habe allerdings eine andere Wolle genommen, als die vorgegebene.  Auch habe ich zu Häkeln begonnen. Mein erstes Dreieckstuch im Muster Halfgranny mit schmalem Spitzenrand ist fertig. Ich bin schon sehr stolz.

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Die Spitzenkante sollte eigentlich üppiger, aber dafür reichte die Wolle nicht. Ich bin auch so zufrieden und werde gleich das nächste in Angriff nehmen. Ich habe fest gestellt, dass die Chance etwas fertig zu bekommen, bei mehreren Projekten gleichzeitig größer ist und ich hab die Hände beschäftigt. In Zeiten wie diesen, ist immer die Gefahr groß mit dem Rauchen anzufangen.