Bürokratenhochzeitstag

russiches Kästchen

Heute jährt sich unser Bürokratenhochzeitstag zum 10. Mal. Wie doch die Zeit vergeht. Wir haben dieses offizielle Verbandeln auch nicht so ernst genommen, weil es letztlich egal war, dass wir zusammenbleiben wollen, war eh klar. Warum wir den Schritt überhaupt gemacht haben, nun, dass hatte einen ernsteren Grund. Meine Tochter war damals in Frankreich, mit meiner Familie bin ich nicht so dicke und es stand an, dass ich vielleicht für eine größere Sache ins Krankenhaus müsste. Da wollte ich die Sicherheit haben, dass im Falle des Falles jemand bestimmt, wie es weitergeht, der mich kennt. Trotz Patientenverfügung wird der offizielle Ehepartner da noch immer ernster genommen, als ein Lebensgefährte. Lustig war, dass unsere Trauzeugin sehr vergrätzt war, weil Viktor und ich so rumgealbert haben. Sie fand es sei eine heilige Handlung und wir fanden es einfach lustig, besonders, weil wir schon beim Aufgebot stellen soviel Spaß hatten. Man muss da ja einen Beruf angeben und ich habe gesagt, Hexe. Darauf lief die Dame rot an und teilte mir mit, dass Hexe kein Beruf sei. Ich bestand drauf, dass es einer wäre, denn ich würde ja vom Arbeitsamt Geld für den Aufbau einer Selbsständigkeit als Hexe bekommen. Das stimmte übrigens. Jedenfalls schrieb sie es mit arg verkniffenen Lippen nieder und wandte sich Viktor zu. Der sagte, er wäre Musiker und Fotograf, worauhin die Dame zischte: „Hat denn keiner von ihnen, etwas Richtiges gelernt?“ Das war so drollig, ich hatte noch Tage Bauchschmerzen vor Lachen.

Litha 2017

Heute morgen bin ich früh hoch, nachdem ich eine von Albträumen gebeutelte Nacht hinter mir habe. Obwohl ich tagsüber sehr ruhig und vernünftig mit allem umgehe, scheint Dieters Sterben doch in mir zu rumoren und nachts suchen sich dann diese Gefühle Raum. Dazu noch die Wärme. Doch es hat natürlich auch seine Vorteile, wenn man so früh hochkommt. Ich habe die Zeit genutzt, um meinen Altar zur Sommersonnenwende aufzuhübschen.

6 thoughts on “Bürokratenhochzeitstag

  1. Dann herzlichen Glückwunsch zum 10. Hochzeitstag. Wir hatten unseren auch dieses Jahr. Die standesamtliche Trauung war auch eher Pflichtübung, wirklich wichtig war uns die kirchliche Trauung ein halbes Jahr später. Allerdings hat uns die standesamtliche Trauung dann doch was eingebracht, als wir einen Wohnberechtigungsschein beantragen wollten und die Dame verkniffen meinte, wir würden noch nicht lange genug zusammenleben und es gäbe keinen für uns. Die tat so, als müsse sie ihre eigene Wohnung an uns abtreten. Als ich dann ganz trocken gefragt habe, ob es einen Unterschied macht, das wir gerade eben das Aufgebot bestellt haben, wurde sich noch verkniffener, mußte den Wisch aber rausrücken, mit dem wir dann die Wohnung beziehen konnten, für die wir schon die Zusage des Vermieters hatten.

    1. Wir hatten auch noch ein Fest und unserem dritten Jahrestag, an dem eine Freundin für uns ein Handfasting Ritual gemacht hat. Das war uns wichtig und das ist auch der Tag, an dem wir feiern. Also richtig, mit Eisessen und so.
      Die Verkniffen- und geistige Unbeweglichkeit von deutschen Verwaltungsangestellten erstaunt mich immer wieder.

  2. Die Verwaltungsangestellten haben verinnerlicht, was sich gehört.
    Hä?
    Die Schwiegermutter fragte immer: Schickt sich datt Kind?
    Und zählte die Blätter, die im Herbst aufs Nachbargrab ihres Gatten fielen und nicht sofort entfernt wurden…
    Was ist wichtig im Leben?
    Für mich: Lachen und Liebe.

  3. Ich sehe diese dröge Dame mit dem nicht vorhandenen oder abhanden gekommenen Humor vor mir *kicher*
    Herzlichen Glückwunsch Euch beiden, und viel Kraft für die Wegbegleitung von Dieter wünsche ich Euch auch.
    Liebe Grüße, Evy

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