Bleiben wollen?

Nekropolis

Heute ging es einmal wieder auf den Südfriedhof. Diesmal sind wir nicht die übliche Runde gegangen, sondern ein wenig querbeet herumgeströmert. Plötzlich stand ich vor einem eingezäunten Familiengrab von gewaltigen Ausmaßen, mit einem Marmormonument darauf, auf dem stand: Wir haben eine bleibende Ruhestätte! Der Text und die Anlage hätten etwas Endgültiges. So in der Art: Wir gehen hier nicht weg! Sofort dachte ich: Würde ich das wollen? Um jeden Preis bleiben? Selbst tot noch so ein Anwesenheitssignal hinterlassen? Nein, möchte ich natürlich nicht! Ich finde den Gedanken schön mich irgendwann aufzulösen und zu verschwinden. Das hat natürlich nichts damit zu tun, dass ich mir nicht wünsche, dass man sich meiner erinnert. Selbstverständlich wäre ich froh, wenn meine Enkelinnen noch manchmal an mich denken würden oder die Menschen, die mich im Leben gekannt haben. Aber Monumente müssten wahrlich nicht von meinem Dagewesensein zeugen.

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Dieser Gedanke des sich auflösend, irgendwann, beschäftigt mich besonders seit ich Grabgeflüster von Martín Ó Cadhain gelesen habe. Ein wunderbares Buch, dessen Protagonistinnen allesamt tot sind und nun in der Friedhofserde unruhen, denn von Ruhe kann da keine Rede sein. Es geht weiter wie gehabt, die alten Fehden werden gepflegt, es wird sich an Gutes und Schlechtes erinnert. Nee, so soll es nicht sein. Wenn es bei mir so weit ist, soll mein Körper verbrannt werden und die Asche soll in die Ostsee, dort kann sie sich dann auflösen, während sich mein Geist in der universellen Ursuppe auflöst und dort wenns gut kommt, ein wenig zur Würze beiträgt. Wozu ich allerdings gar keine Lust habe, mich nach buddhistischer Manier tagtäglich im Sterben zu üben. Früher oder später hat das meines Wissens nach noch jeder ohne Trockentraining hinbekommen.

Ich denke oft über den Tod, die Vergänglichkeit und das Sterben nach. Aber nicht Angst erfüllt. Sicher habe ich Angst vor Siechtum und Schmerzen, aber vor dem Sterben? Nein! Die Existenz einer Hölle bezweifele ich stark und die Sache mit der Wiedergeburt auch. Es kann natürlich sein, dass ich mich da irre … ich bin wahnsinnig gespannt, wie es denn nun wirklich ist mit dem totsein.

3 thoughts on “Bleiben wollen?

  1. Wir haben uns für einen Friedwald entschieden. Seebestattung hatte ich auch mal angedacht, aber so ein Friedwald gefällt mir irgendwie besser, auch als Küstenkind. Angst vor dem Tod habe nicht, vor dem Sterben manchmal schon.

  2. da wir nun so weit von der see sind soll meine asche untern baum
    und auch kein schild – nix – vergehen und wech
    früher hatte ich angst vorm sterben – das scheint in jungen jahren präsenter zu sein
    heute bin ich auch neugierig
    nicht dass ich dränge
    ich hätte gern ein paar nette rentenjahre
    aber weit über achtzig soll es nicht sein
    ich wüsste gern den hund gut versorgt…

  3. Ich war einmal zu einer Besetzung in einem Friedwald in Lehmberg. Das hat mir auch gut gefallen. Wenn ich nicht so dicht an der Ostsee wäre, wäre das eine Alternative. Aber Ostsee ist schon immer Seelenheimat.

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