Bergljots Famile von Vigdis Hjorth

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Eine gutbürgerliche Familie, der Vater stirbt, und was zu erst wieder der Streit um zwei Sommerhäuser aussieht, eskaliert mehr und mehr und es wird klar, im Grunde geht es um etwas ganz anderes. Bergljot, die älteste Schwester und das zweitälteste Kind der Familie, hatte sich vor dreiundzwanzig Jahren von ihrer Familie losgesagt, nachdem sie während ihrer Psychoanalyse entdeckt hat, dass sie als kleines Kind vom Vater missbraucht wurde. Die Mutter nennt sie eine Lügnerin, obwohl Bergljot sich an Fragen und Gespäche mit der Mutter erinnert, die darauf schließen lassen, dass sie zumindest etwas geahnt hat. Der ältere Bruder hat sich bereits von der Familie zurück gezogen, die jüngeren Schwestern stellen sich auf die Seite der Eltern, wobei eine versucht auch Kontakt zu Bergjlot zu halten. Für diese lebt nun alles wieder auf und sie wird mit den alten Dämonen konfrontiert und mit der Ungerechtigkeit, dass ihre Geschichte nicht zählt, dass die Familie sie nicht ernst nimmt, sondern im Gegenteil sie, das Opfer, zur Schuldigen macht, die die Familienidylle stört.

Vigdis Hjorth hat bereits mehrfach klar gestellt, dass es sich nicht um eine autobiografische Geschichte handelt, obwohl sich natürlich Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben verarbeitet hat, wie sie es in all ihren Büchern tut. Für die Leser*innen kann das auch egal sein. Auf alle Fälle hat sie wundervoll sensibles, trauriges, poetisches Buch zu einem heiklen Thema geschrieben und gewährt einen tiefen Einblick hinter die Kulissen einer Familie, in der, wie in so vielen, bei weitem nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Ich habe vieles wiedergefunden, was ich aus meiner eigenen Geschichte kenne.

Bergljots Familie ist für den wichtigsten Literaturpreis Skandinaviens, den Nordic Council Literature Prize, nominiert.

Bergljots Familie

Autorin: Vigdis Hjorth

Übersetzerin: Gabriele Haefs

Verlag: Osburg Verlag

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