Ins Gleichgewicht kommen

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Obwohl noch viel zu tun ist, sind wir dabei wieder in den Alltag zu finden. Doch das Gleichgewicht ist ziemlich erschüttert und es tut Not wieder in die Mitte zu finden. Also habe ich Wolle und Moleskinehefte besorgt. Normalerweise schreibe ich meine Sachen in normalen Collegeblogs, aber außergewöhnliche Zeiten brauchen das Besondere. So habe ich denn die Wolle nicht einfach beim Dealer um die Ecke gekauft, sondern unseren Ausflug nach Kappeln genutzt, um mir die 100farbspiele anzusehen, wo ich natürlich auch etwas gekauft habe. Einmal einen Bobbel-Unikate für ein Dreiecktuch und eine Hanf-Sockenwolle.

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Der Laden ist wirklich etwas besonderes und die Bedienung ist äußerst nett und hilfreich.

Es war ein schöner kleiner Ausflug. Wir hatten Suka mitgenommen, die ganz außer sich vor Glück war, dass sie ein wenig mehr von der Welt sehen konnte, als Kiel. Nun liegt sie zufrieden auf der Couch, während ich gleich unter die Dusche hüpfe und dann beginne zu häkeln.

Morgen ist ein ruhiger Tag geplant. Ich werde wieder beginnen Morgenseiten zu schreiben, da will einiges raus.

Rosie und die Suffragetten von Katharina Müller

Rosie und die Sufragetten

Rosie und die Suffragetten

Historischer Roman

Katharina Müller

14,90 €

Broschiert, 240 Seiten

ISBN: 978-3-89656-236-4

Querverlag

Eigentlich wollte Rosie Lehrerin werden, wurde dann aber durch den Tod ihres Vaters gezwungen eine Stellung als Hausmädchen anzunehmen. Bald verlässt sie den Norden Englands und kommt nach London, wo sie eine Anstellung im Haus der Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst findet und sich auch schnell für den Kampf ums Frauenstimmrecht engagiert, den sowohl Mrs. Pankhurst, wie auch ihre Töchter Christabel und Sylvia kämpfen. Sie nimmt an Demonstrationen und Aktionen teil, näht Schärpen und Kleider für die Damen der Bewegung und geht mit ihnen ins Gefängnis. Doch ihr bleibt auch nicht verborgen, dass sie, jedenfalls an Emmelines und Christabels Seite, für das Wahlrecht, für Frauen aus derer Klasse kämpft und nicht etwa für das aller Frauen. Es kommt zum Zerwürfnis und sie schließt sich der ihr näherstehenden Sylvia Pankhurst an, die im Londoner Eastend Sozialarbeit leistet. Sylvia geht es nicht nur um Frauenrechte, sondern eben auch, um die Verbesserung der Lebenssituation der Arbeiter und Arbeiterinnen.

Dann ist da noch der Dockarbeiter George, der der richtige für Rose zu sein scheint, wenn da nicht auch Jane wäre, die sich mit „Herrenbegleitung“ durchs Leben schlägt.

Mir hat das Buch sehr gefallen. Katharina Müller transportiert diesen Teil der Geschichte der Frauenbewegung, in dem sie uns an Rosies Leben teilhaben lässt. Die historischen Begebenheiten sind korrekt zugeordnet und die Autorin hält ein gutes Gleichgewicht zwischen Fakten und Fantasie. Ein Buch, dass ich besonders jungen Frauen ans Herz legen möchte, die meinen Emanzipation und Frauenrecht, wären keine Themen mehr. Ein Blick in die Zeit, in der diese nicht selbstverständlich waren, könnte zeigen, wie nötig diese Themen immer noch sind.

 

Trauerfeier

heaven

Nun haben wir einen weiteren Meilenstein in Sachen Abschied hinter uns gebracht. Heute war die Trauerfeier. Wir haben uns sehr gefreut, dass so viele gekommen sind, besonders dass einige der politischen Weggefährten sich von weit her aufgemacht hatten. Es war eine schöne Feier, kein Brimborium, 3. Satz aus Beethovens 5. Sinfonie zur Einleitung, dann die Rede von Helmut Sturmhöbel, der ein gutes Gleichgewicht zwischen den sehr entgegen gesetzten Elementen in Dieters Leben gefunden hat und berührende Worte fand. Danach noch einmal Musik Händels Largo aus Xerxes.

So wunderschön. Nach dem Kaffeetrinken ging es denn nach Hause und uns ist auch nicht nach Ausgehen heute. Morgen werden wir vielleicht eine kleine Tour machen, aber so genau wissen wir es noch nicht. Nach all den strikten Terminen und Pflichten, mit denen es ja nächste Woche weitergeht, werden uns ein paar Tage einfach rumdümpeln gut tun.

Passend zum Ende des Tages hat es zu regnen begonnen. Ich denke ich gehe heute früh zu Bette.

Angeschlagen und auf Autopilot

Angeschlagen

Bis dato war es eine anstrengende Woche und ich habe auf Autopilot umgeschaltet. Aber es sind die wichtigsten Termine, bis auf die Trauerfeier, abgearbeitet. Heute morgen sind wir früh los und haben unsere neuen Ausweise abgeholt, gestern haben wir mit dem Entrümpler gesprochen, der bereits nächsten Dienstag tätig werden will. Da kriegte der Liebste einen Anfall von „aber-wir-können-doch-nicht-Dieters-Sachen-so-schnell-weggeben“. Beruhigte sich aber einigermaßen zügig wieder, nachdem ich ihn mir zur Brust genommen habe und nun wird es wie geplant von Statten gehen. Es geht nicht an, dass wir da ein Museum erhalten, und es geht auch nicht an, dass mehr und mehr Sachen hier  landen. Es wird Zeit, zumindest in der Wohnung, einen Abschluss zu finden. Viktor weiß das auch, vom Kopf her, doch gefühlsmäßig ist es eben hart, was ich ja auch verstehen kann, aber einer muss einen klaren Kopf behalten und eben manchmal auch ein Machtwort sprechen. Es gibt allerdings Momente, da wünsche ich mir, ich könnte es sein, die sich ihren Gefühlen überlässt und jemand anders könnte vernünftig sein.

Morgen ist also die Trauerfeier und danach noch Kaffeetrinken und funktionieren. Dann nach Hause und sehen, wie es weitergeht. Wir haben einige ruhige Tage vor uns, an denen wir uns verbarrikadieren oder ein wenig rausfahren werden. Ans Wasser ist ja immer gut für die Seele oder nach Kappeln, dort gibt es einen Wollladen, der ein recht interessantes Angebot hat. Außerdem ist Kappeln immer schön.

 

Das Blutspiel von Hardy Crueger

das BlutspielDas Blutspiel

Es wird dich dein Leben kosten …

Hardy Crueger

ISBN: 978-3-95441-366-9

Preis: 11,95 €

E-Book ISBN: 978-3-95441-378-2

Verlag: KBV

Zum 2. Mal ermitteln Carsten Sander vom LKA Niedersachsen und seine Freundin und Kollegin Mandy Kolwicz vom LKA Sachsen-Anhalt gemeinsam. In Stunde der Flammen hat Crueger sein Ermittlerteam eingeführt und legt, nun mit Das Blutspiel nach.

Am Ufer des Mittelland-Kanals findet sich eine übel zugerichtete Leiche, mit fehlenden Fingerkuppen und herausgeschnittenen Tattoos. Die Wunden scheinen von einer ungewöhnlichen Waffe zu stammen, vieles weist auf einen Ritualmord hin. Da die Ermittler in Peine nicht weiterkommen, landet der Fall beim LKA Niedersachsen und auf Carsten Sanders Schreibtisch. Der vermutet das Schlepperbanden oder die Mafia verantwortlich sind. Er und Mandy Kolwicz vom LKA Sachsen Anhalt nehmen die Ermittlungen auf und folgen den wenigen Spuren in überraschende Bereiche der menschlichen Abgründe.

Da ich von Stunde der Flammen restlos begeistert war, war ich natürlich sehr gespannt, auf Das Blutspiel und wurde nicht enttäuscht. Auch der zweite Fall für Sanders/Kolwicz ist so, wie man sich einen Thriller wünscht. Hardy Crueger braucht wahrlich nicht den Vergleich mit den Meistern des Genres zu scheuen, er ist selber einer. Er schreibt klar und scheut sich nicht vor Gewaltszenen, dieses jedoch ohne billigen Voyeurismus zu bedienen, er greift aktuelle Themen auf, ohne zu predigen und lässt seinen Protagonisten Gefühle zeigen, ohne kitschig zu werden. Überhaupt hat man es bei Cruegers Protagonist*innen mit Menschen zu tun und nicht mit Oberflächen.

Fazit: Unbedingt lesen!

Fotografieren geht immer

Der Liebste

Heute haben waren wir mit Suka im Tannenberger Gehölz und haben fotografiert. Das geht irgendwie immer. Da kann man noch so traurig, noch so bedrückt sein. Uns hat die Runde sehr gut getan. Danach haben wir geräumt. erst einmal in unserer Wohnung, denn da noch ein zwei Teile aus Dieters Wohnung zu uns sollen, brauchen wir Platz. Unter anderen bekomme ich ein Nähtischen, dass bereits meiner Schwiegermutter gehört hat, die in Heimarbeit Trikotagen genäht hat. Das hätte ich schon gerne vor 12 Jahren bekommen, aber da war Dieter schneller und ich habe es ihm auch gegönnt.

Eigentlich wollten wir heute noch viel mehr schaffen, doch wir sind geschafft. Macht nichts. Heute morgen haben wir fein ausgeschlafen. Das erste Mal seit Wochen wieder.

Mir graut allerdings vor der Zeit nach der Trauerfeier und nach dem Räumen der Wohnung, erfahrungsgemäß funktioniere ich in Zeiten der Not wundervoll … und breche zusammen, wenn alles geregelt, alles getan ist. Dann geht es meistens in ein tiefes Loch. Mal sehen in wie weit ich da vorbeugen kann.  Erste Anzeichen machen sich schon bemerkbar. Wird Zeit das ich zum Schreiben komme.

Trauer und Lachen

Völker hört die Signale

Bei aller Trauer schafft es mein lieber Schwager immer noch, mich zum Lachen zu bringen. Zum Beispiel, als wir heute morgen seine Aktentasche ausgeräumt haben. Er dürfte einer der wenigen Menschen gewesen sein, die mit dem Liederheft „Völker, hört die Signale! Revolutionäre Kampflieder der Arbeiterklasse“ ins Hospiz gezogen ist.

Dabei hat er die letzten Wochen kaum die alten Kampflieder gehört, sondern Beethovens Fidelio rauf und runter. Und Beethoven wird es auch auf der Trauerfeier geben. 5. Sinfonie 3. Satz.

Abschied

dieter und Viktor

Nun hat Dieter es geschafft. Heute Nacht hat er sich aufgemacht und wir haben uns heute morgen verabschiedet. Er sah so friedlich aus und wir waren sehr dankbar dafür, dass sein Leiden nun ein Ende hat. Traurig sind wir nur, weil wir ihn nicht mehr haben und weil er überhaupt sterben musste.

Für uns beginnen nun noch einige turbulente Tage, mit der Haushaltsauflösung und allem anderen, was so an einer Beerdigung hängt. Danach müssen wir uns denn sortieren und sehen wie es für uns weitergeht. Denn gerade die letzten Monate hat Dieter fast den gesamten Raum eingenommen und alles andere kam zum Stillstand. Es war eine sehr intensive und sehr wichtige Zeit für uns. Ich hoffe sehr, dass wir ihm seine letzte Zeit ein wenig leichter machen konnten.

Das Ende ist nahe

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Heute waren wir nur kurz im Hospiz. Dieter ging es so schlecht, dass er seine Ruhe wollte, also sind wir gegangen, haben aber vorher noch mit der Schwester gesprochen, die sagte, was ich schon wusste: Dass es nun nicht mehr lange dauern wird. Natürlich war das die ganze Zeit klar, aber man gewöhnt sich so an die Routine, auf Besuch zu fahren und irgendwann ist man überrascht, dass es nun wirklich zu Ende geht. Ich muss gestehen, mir graut vor der Zeit „danach“, vor den ganzen Dingen, die erledigt werden müssen und vor allem vor den Auseinandersetzungen mit seiner Freundin, die sich auch im Hospiz bereits unbeliebt gemacht hat. Man bat uns heute doch einmal mit ihr zu reden, dass sie nicht so eine Unruhe verbreiten soll, sondern einfach seine Hand halten und da sein. Was natürlich für eine, die sich für die Hauptleidtragende in dem Drama hält und nicht den Sterbenden, unmöglich ist. Viktor hat versucht es ihr zu verklickern, doch ich befürchte, die Botschaft ist nicht angekommen. Ich hoffe wir kriegen die Beerdigung und die Trauerfeier ruhig über die Bühne und die Situation eskaliert nicht.

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Im Anschluss ans Hospiz waren wir eingeladen bei einer lieben Freundin und haben schön in der Sonne gesessen und geklönt. Da gab es auch lecker Kuchen, den ich leider nicht fotografiert habe. Nächstes Mal.

 

Hekate – an der Wegkreuzung

Hekate

In letzter Zeit ziehe ich dauernd Hekate als Tageskarte. Die Wegkreuzung, es wird also Zeit Entscheidungen zu treffen, wie es weitergehen und vor allem wohin es gehen soll. Hatten heute ein ernstes Gespräch und eine Entscheidung ist gefallen. Da es noch ein wenig Finetuning braucht, dazu später mehr. Erleichterung und Trauer halten sich die Waage. Also einen Weg haben wir ausgesondert. Doch wo soll es hingehen. Ich glaube ich halte es mit Robert Frost:

Im Wald zwei Wege boten sich mir dar,

ich nahm den, der weniger betreten war,

und dies veränderte mein Leben.

Eine Empfehlung die diese Karte hat, ist, wage den Sprung ins Leere.