Vitamine und Lesestoff

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Heißer Cappucino, Orangen und der Ofen vermögen es nicht mich warm zu halten. Der Wind kommt aus Nordost, ist eisig und dringt durch die Ritzen des Bruchbudenparadies. Ich werde hier nur noch das Nötigste erledigen, mich dann mit dem Laptop ins Bett verziehen und die Heizdecke aktivieren. Lesestoff fand sich heute reichlich in der Post. Einmal Telegraph Avenue von Michael Chabon (näheres unter dem Widget: ich lese gerade) und dann kam noch ein ganz besonderes Buch. Lesereise Norwegen von Gabriele Haefs.

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Gabriele Haefs ist in Norwegen nun wirklich rumgekommen, übersetzt sie doch eine ganze Reihe der AutorInn aus diesem Land. Sie kennt so einige Ecken, die touristisch noch nicht erforscht sind, kennt interessante Leute und weiß so einiges über die AutorInnen des Landes … und sie ist eine begnadete Erzählerin. Wer sich also mit ihr auf Lesereise durch Norwegen begeben will, hier geht es zum Buch:

http://www.picus.at/produkt/lesereise-norwegen-2/

Baba Yaga von Karin Braun

Diese Kurzgeschichte habe ich vor einigen Jahren geschrieben und mag sie immer noch. Da ich heute als Tageskarte „Baba Yaga“ (Göttinnengeflüster von Amy Maraschinsky und Hrana Janto) gezogen habe, dachte ich, ich stelle sie noch einmal online.

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Baba Yaga

In dem Dorf, aus dem sie kam, hieß es sie stünde mit Baba Yaga im Bunde. Als junge Frau zog ihre ungewöhnliche Schönheit die Menschen genau so an, wie sie ihr in sich gekehrt sein abstieß. Einerseits suchten sie ihre Nähe, als wenn etwas von ihrem Glanz auf sie abfärben könnte. Aber sie fanden sie auch merkwürdig. Eine junge Frau, die noch immer wie ein Kind in den Wald lief und dort … ja was dort? So richtig wusste es niemand. Sie hätte Ihnen sagen können, dass sie die Stille des Waldes und seine Gerüche zum Denken und träumen brauchte. Aber wer hätte das schon verstanden?

Als sie schließlich heiratete und Mutter wurde, hatte sie keine Zeit mehr in den Wald zu gehen. Dann konnte ihre Familie in dem Dorf nicht mehr leben und ging fort, in ein anderes Land. Dort, nicht einmal fünf Jahre nach ihrer Ankunft, starb der Mann und die Kinder verstreuten sich in alle vier Winde. Sie war wieder alleine, und nachdem sie sich an die Stille gewöhnt hatte, auch glücklich. Der Stadtteil, in dem sie lebte, war wie ein Dorf inmitten der Stadt. Es gab einen Wald, sicher nicht so groß wie der an ihrem russischen Dorf, aber es war ein Wald. Es gab einen See und an dem See lag ihr Garten, ein wenig außerhalb der anderen Gärten. Hier verbrachte sie von Frühjahr bis Herbst viel Zeit. Seit sie wieder in ihren Gedanken und Träumen leben konnte, war sie glücklich. Sicher, sie liebte ihre Kinder, die sie immer einmal baten, doch zu Ihnen zu ziehen, auch vermisste sie ihren Mann. Er war ein guter Mann gewesen. Er hatte immer für die Familie gesorgt und sie hatten oft miteinander gelacht. Wenn sie so in ihrem Garten saß, stellte sie sich oft vor, dass er nur kurz fortgegangen wäre, zu Besuch bei den Kindern oder auf Montage weilte. Dieses Leben in diesem fremden Land, in dem so vieles anders war, als in ihrer Heimat, war für sie ein gutes gewesen. Sicher sie war nicht reich, aber sie brauchte auch nicht zu hungern. Sie hatte ihren Garten, den Wald und eine kleine Wohnung. Mit ihren Nachbarn sprach sie nicht oft, entzog sich aber auch nicht. Sie war freundlich, drängte sich aber nicht auf.

Nur eine engere Freundin hatte sie. Rosa, die in demselben Dorf wie sie auf die Welt gekommen war. Rosa war das Gegenteil von ihr. Eine laute, fröhliche Frau, die viele Menschen kannte und immer wusste, was im Viertel los war. Rosa war es auch, die mit der Nachricht kam, die ihre kleine Welt ins Wanken brachte.

An einem Morgen kam die Freundin auf eine Tasse Tee zu ihr, und nachdem sie über dies und das geplaudert hatten, sagte sie plötzlich: »Hast du eigentlich schon gehört, dass sie das Gebiet in dem auch dein Garten ist, verkaufen wollen?«

Zuerst wusste sie gar nicht, was das bedeuten sollte. Wieso verkaufen? Sie hatte ihren Garten doch gepachtet, und wie die meisten ihrer Nachbarn hatte sie viel Arbeit, Liebe und Geld investiert, um ihn zu einem kleinen Paradies zu machen. Völlig perplex fragte sie: »Verkaufen? Wer will das Land verkaufen?«

Rosa seufzte ungeduldig: »Nun ja, die Stadt braucht Geld. Das Grundstück ist am See gelegen und ein Investor will dort Wohnungen bauen. Außerdem soll ein Einkaufszentrum entstehen.«

»Ein Einkaufszentrum und Wohnungen? Aber hier stehen doch so viele leer und Geschäfte gibt es doch auch genug.« Das stimmte, alles, was sie für den täglichen Bedarf brauchte, konnte sie in ihrem Stadtteil kaufen, und wenn es nötig war, Kleidung oder Geschenke für die Enkelkinder zu besorgen, konnte sie jederzeit mit dem Bus ins Zentrum der mittelgroßen Stadt am Meer fahren, wo es eine große Einkaufsstraße gab.

Rosas bitteres Lachen riss sie aus ihren Gedanken. »Klar stehen hier Wohnungen leer. Aber solche Wohnungen sollen dort ja nicht gebaut werden. Das, was da geplant ist, können Du und ich uns nicht leisten. Die wollen dort Luxusappartments bauen und einen Park um den See herum.«

Sie biss sich auf die Lippen und begann nervös in ihrer Tasse zu rühren. Das konnte doch nicht sein. Es war doch ihr Garten.

Rosa schimpfte: »Was rührst Du denn in deiner Tasse herum, da ist doch gar nichts mehr drinnen.« Die Freundin seufzte: »Ich weiß, dass es dich hart trifft. Aber da kann man nichts machen. Die da oben sitzen eh am längeren Hebel.«

Sie erhob sich und zog ihre Jacke an. An der Tür drehte sie sich noch einmal um und sagte tröstend: »Nun ja, näheres weiß ich auch nicht. Aber am Freitag soll es eine Informationsveranstaltung im Bürgerzentrum geben. Vielleicht gehst Du einmal hin.«

Abwesend nickte sie und verabschiedete ihre Freundin.

Als Rosa gegangen war, hatte sie versucht, die ganze Geschichte als dummen Tratsch abzutun. Aber in den nächsten Tagen hörte sie die Gerüchte überall. Beim Bäcker, an der Fleischtheke im Supermarkt, im Café überall raunte es: Wissen Sie schon? … Hast Du schon gehört? Auch die Plakate der Veranstaltung hatte sie gesehen. Normalerweise würde sie nicht zu so etwas gehen. Besser war, man hielt sich aus allem raus. Igor, ihr Mann, hatte immer gesagt: »Das ist nichts für unsereinen. Die da oben machen doch, was sie wollen.« Und sie hatte ihm recht gegeben. Aber diesmal musste sie Klarheit haben und die konnte sie nur am Freitag im Bürgerzentrum erlangen.

 

Als sie in ihrem besten Kostüm und mit sorgfältig aufgesteckten grauen Zöpfen ins Bürgerzentrum kam, fühlte sie sich unter den vielen Menschen ein wenig verloren. Sie nickte dem einem oder anderen Gartennachbarn freundlich zu, nahm sich einen Tee und setzte sich weit nach hinten und wartete das Es begann. Nachdem alle ihren Platz gefunden hatten, traten drei noch recht junge Männer auf eine Art Bühne. Sie sahen fast identisch aus. Schwarzer Anzug, Hemd Krawatte, gegelte Haare, gepflegte Sonnenbräune. Fast synchron legten sie ihre I-Phones vor sich auf dem Tisch neben die Laptops. Sie wirkten wie aus einer Fernsehserie, ein wenig zu perfekt um echt zu sein. Boshaft dachte sie: Die sehen aus, wie aus einem Ei geschlüpft. Dann begann einer der Drei mit der Begrüßung und es ging los. Auf einer Leinwand erschienen Bauskizzen, Flurkarten und Diagramme. Immer wieder wurde darauf hingewiesen, dass ein Prestigeobjekt entstehen würde und wie sehr dieses die Kaufkraft im Stadtteil erhöhen würde.

Eine Frau, in einem ausgeleierten, rosa Jogginganzug und einer Bierdose in der Hand, rief höhnisch: »Ja klar, Frau Neureich und Herr Zaster werden verdammt froh sein, mit mir ein wenig an der Supermarktkasse plauschen zu können.« Einige lachten. Der Besitzer des türkischen Gemüseladens meldete sich zu Wort und fragte: »Werden die Mieten steigen?« Die Männer auf dem Podium lächelten vertrauenserweckend und beruhigend: »Nein, natürlich nicht.« Niemand glaubte ihnen. Ihr Lächeln wirkte zu einstudiert.

Als sie die Versammlung verließ, wusste sie es genau: Sie würden ihr den Garten nehmen und sicher würde es nicht lange dauern, bis sie auch aus ihrer Wohnung musste. Sie war schließlich nicht dumm. Mehr Prestige und mehr Kaufkraft zog Menschen an, die jetzt auf keinem Fall hier wohnen wollten. Es war so ungerecht. Überall war es das Gleiche. Geld konnte alles. Wenn jemand Geld hatte und noch mehr Geld machen wollte, konnte er ihren Garten nehmen und die Bäume fällen. Konnte das kleine Häuschen abreißen, dass Igor noch gebaut hatte und in dem sie an warmen Sommertagen auch schlief. Erst war sie verzweifelt, dann kam die Wut. Eine Wut, wie sie sie noch nie gespürt hatte.  Schon wieder wollte man ihr das zu Hause nehmen. Diesmal nicht so abrupt wie damals, als sie aus ihrem Heimatdorf fort musste, sondern schön stückchenweise. Gleich waren nur die Lügen: dass es ums Gemeinwohl ging, um Arbeitsplätze, um ein besseres Leben für alle. Dabei ging es doch immer nur um Geld und das die die es hatten, noch mehr davon bekamen.

Plötzlich merkte sie, dass ihre Schritte sie nicht zu ihrer Wohnung geführt hatten, sondern in den Wald. Sie atmete tief durch. Der Frühling begann. Sie wurde ein wenig ruhiger. Doch dann stieg die Wut erneut in ihr auf. Nicht nur den Garten würden sie ihr nehmen, sondern auch den Wald. Was hatte der eine junge Schnösel gesagt: Das Waldgebiet wird in die Parkanlage, die um die Appartmenthäuser entstehen sollte, eingemeindet. Mit seinem Haifischlächeln hatte er hinzugefügt: »Natürlich wird das Westufer des Sees weiterhin als Freizeitgebiet allen Anwohnern im Stadtteil zur Verfügung stehen«. Ja, natürlich. Das Westufer, an dem es keine kühlenden Bäume gab und an dem es sumpfig war, das war weiterhin für die Armen da. Den Wald musste man sich leisten können.

Sie lehnte sich an einen Baum und plötzlich schrie sie: »NEIN, ich gehe hier nicht fort. Das ist mein Platz. Hier will ich altwerden und bis zu meinem Tod leben.« Doch was sollte sie tun? Plötzlich fielen ihr die alten Geschichten aus ihrer Heimat ein. Von Baba Yaga, der alten Hexe die in einem Haus auf Hühnerbeinen tief im Wald lebte, die in einem Mörser über den Himmel flog und alle strafte, die Unrecht taten. Ihr fiel wieder ein, dass die Leute in ihrem Heimatdorf in ihrer Jugend geraunt hatten, sie stünde mit Baba Yaga im Bunde. Plötzlich schrie sie: Baba Yaga, wenn es dich gibt, dann hilf mir, dieses Unrecht zu verhüten.« Dann lauschte sie, doch niemand antwortete. Schließlich ging sie erschöpft und ein wenig beschämt ob ihres kindischen Verhaltens nach Hause. Ohne noch den Fernseher einzuschalten oder etwas zu essen, ging sie zu Bett und weinte sich in den Schlaf.

Am Morgen, als sie erwachte, erinnerte sie sich an einen Traum. Baba Yaga war auf ihrem Mörser in ihr Zimmer geflogen und hatte sie mit sich genommen. Sie war mit ihr über den nächtlichen Himmel geflogen. Zuerst war sie voller Angst gewesen, doch dann genoss sie den Flug. Plötzlich waren sie in dem Wald an ihrem Garten gewesen. Baba Yaga hatte sie streng angesehen und gesagt: »Du hast mich gerufen. Ich bin gekommen. Was willst Du von mir?« Sie hatte ihr von dem Bauvorhaben erzählt und die alte Hexe hatte wütend mit dem Fuß aufgestapft und die Fäuste geballt. Schließlich hatte sie sich beruhigt und gesagt: »Du willst also dein Land behalten? Dann musst Du kämpfen! Ich helfe Dir, weil Du mir und den Wäldern schon immer nahe warst. Aber es wird schwer. In dieser Zeit glauben die Menschen nicht mehr an die Hexenkraft. Selbst Du kannst dich nicht mehr erinnern, wie oft wir uns unterhalten haben, als Du klein warst und in den Wald zu mir kamst.« Ihr Blick wurde traurig, dann fuhr sie fort: »Ich kann in dieser kalten Geldwelt nicht viel tun, Geld ist ein Zaubermittel, über das ich keine Macht habe, aber ich kann Dir die Kraft der Reflexion leihen. Du musst die wilde Frau in dir wecken, wenn Du kämpfen willst. Musst wissen, wer Du bist und was Du willst.«

An mehr erinnerte sie sich nicht. Doch, als sie ins Bad ging, um sich für den Tag zurechtzumachen und in den Spiegel sah, glaubte sie darin das Gesicht der Baba Yaga zu sehen. »Wecke die wilde Frau in dir«. Die Worte hallten in ihrem Kopf.

Die Veränderung ging schnell. Statt der ordentlich aufgesteckten Zöpfe und der dunklen, strengen Kostüme wehten ihre langen, grauen Locken offen um ihre Schulter und sie trug nun bunte Röcke und Blusen. Ihre Haltung veränderte sich. Vor dem Besuch Baba Yagas war sie immer ein wenig gebeugt gegangen, um kleiner zu wirken. Nun hielt sie sich gerade, ihre Stimme wurde laut und energisch und sie sah den Menschen offen ins Gesicht. Eines Morgens, als sie aus dem Haus gehen wollte, fiel ihr Blick auf Hühnerkralle, die sie zum Schutz gegen Einbrecher an die Wohnungstür gehängt hatte, wie es in ihrem russischen Dorf Brauch gewesen war, und nahm sie an sich. Seitdem ging sie nie mir ohne diese aus dem Haus, ohne selbst so recht zu wissen, warum. Eines Tages traf sie bei ihren täglichen Gängen durch das Viertel auf einen der drei jungen Männer, die ihre Lügen bei der Informationsveranstaltung erzählt hatten. Plötzlich wusste sie, was sie zu tun hatte. Sie ging auf ihn zu. Er telefonierte gerade und sah sie irritiert an. Sie wies mit der Hühnerkralle auf ihn, er versuchte ein Lächeln, das auf halben Wege erstarrte. Sein Telefon fiel zu Boden, ohne dass er sich darum kümmerte. Er versuchte sich von ihrem Blick zu lösen, doch er konnte es nicht. Er begann zu wimmern und kauerte sich zusammen. Als sie ihm den Rücken zuwandte, hörte sie ihn jammern: »Aber das habe ich doch nie gewollt. Bitte glaub mir … Ich wollte doch nur meine Arbeit gut machen …

Am nächsten Tag, beim Bäcker traf sie Rosa, die ihren Blick über ihr verändertes Aussehen gleiten ließ, aber, entgegen ihrer Art, keine spöttische Bemerkung machte. Sie hatte andere Neuigkeiten, die förmlich aus ihr heraussprudelten: »Hast du schon gehört? Gestern ist einer von diesen Investoren, die deinen Garten aufkaufen wollen, zusammengebrochen. Er ist weinend durch unseren Stadtteil gelaufen. Wimmerte immer: Das wolle er doch wirklich nicht. Und er hätte doch nicht gewusst, dass es so schlimm kommen würde. Dann faselte er etwas von einer alten Hexe, die ihn mit einer Hühnerkralle berührt hätte und plötzlich wusste er, dass er ein neues Leben anfangen müsste.« Rosas Blick wanderte unauffällig zu der Hühnerkralle in der Hand ihrer Freundin und glitt über deren verändertes Aussehen. Dann fuhr sie fort: »Er wurde in die Psychiatrie eingeliefert.« Mit einem resignierten Lächeln fügte sie hinzu: »Das war nur einer, es werden andere kommen.«

Sie schenkte der Freundin ein grimmiges Lächeln und blickte vielsagend auf die Hühnerkralle: »Lass sie kommen, der Wald und die Gärten haben mächtige Verbündete.« Ihr Blick glitt zur anderen Straßenseite und zu dem Mann im schwarzen Anzug, der neben einem schwarzen Mercedes stand.  Während sie sich anschickte die Straße zu überqueren, warf sie einen kurzen Blick über die Schulter auf Rosa und sagte freundlich: »Entschuldige, ich habe zu tun.« Dabei hob sie die Hühnerkralle und ging geradewegs auf den Mann zu.

(Baba Yaga © Karin Braun – veröffentlicht 2014 in der Anthologie Narrenflieger)

Gewalt in der Sprache

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Ich mache mir in letzter Zeit viele Gedanken um Gewalt. Wo beginnt sie? Wie kann man sie vermeiden? Im Großen und Ganzen bin ich ein sehr friedfertiger Mensch und meinen Mitmenschen relativ wohlgesonnen. Ich sage bitte und danke, halte Leuten die Tür auf und befleißige mich im allgemeinen, eines respektvollen Umgangs mit meiner Umwelt. Doch es gibt da auch eine andere Seite. Wenn ich wütend werde, bediene ich mich schon eines recht drastischen Vokabulars und stoße Drohungen aus. Da ist ein „Den/die bring ich um!“ schnell gesagt. Auch drohe ich gerne damit, dem einen oder anderen die Ohren abzupflücken.

In den letzten Wochen habe ich viele Gespräche mit meiner Tochter und Viktor zum Thema Gewalt gehabt, wie man sie vermeidet und was die Hemmschwelle Gewalt anzuwenden senkt. Da kam ich drauf, dass es in der Sprache beginnt. Denn dem Sprechen geht der Gedanke voraus. Wenn ich also verkünde, ich würde jemanden umbringen, weil er/sie es gewagt hat, mich zu verdrießen, dann habe in Gedanken den oder diejenige als jemand eingestuft, der es nicht wert ist zu leben. Sicher kann man sagen, es ist doch nur so eine Redensart und ich glaube auch nicht wirklich, dass ich überhaupt dazu in der Lage bin, den Worten die Tat folgen zu lassen. Vielleicht ist es ja auch nur eine Möglichkeit um Dampf abzulassen … mag sein. Das ändert nichts daran, dass der Keim des Gedankens ist, jemanden Gewalt an zu tun. Was mich betrifft, werde ich nun sehr vorsichtig und mir sehr bewusst sein, dass die Gewalt im Kopf beginnt.

Kochtechnisch wieder im Geschäft

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Gestern war nun ein kundiger Mensch da und hat das Gaskochfeld fachmännisch angeschlossen. Endlich läuft alles. Nun brauchen wir noch zwei Arbeitsplatten, damit die doofen Lücken, zwischen Kühlschrank und Unterschrank verschwinden. Ach ist das fein, wieder kochen zu können und backen. Da ich morgen erneut Besuch von A. bekomme, habe ich dies als Ausrede genommen, einen Käsekuchen zu backen, der nun im Ofen vor sich hin bäckt, während auf dem Herd ein Gulasch brutzelt.

Heute war Haushaltstag. Großeinkauf fürs Wochenende, der sogar Spaß gemacht hat, weil wir nicht schleppen mussten. Mit dem neuen Hackenporsche war es ein Klacks.

 

Neuer Schnee

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Heute versuchen wir es mal wieder mit diesem weißen Zoig. Laufen war auch nicht drin, denn zur Abwechselung habe ich mal Nierenschmerzen und muss dauernd pinkeln. Es nervt. Irgendeine höhere Macht ist dagegen, dass ich fit werde. Immer wenn ich beginnen Sport zu machen, werde ich krank. Also nicht richtig krank, aber Sport macht so keinen Spaß. Ansonsten ist alles wie immer. Der Herd sollte nun auch gehen, wir müssen nur noch warten, ob der Anschluss wirklich dicht ist. Ist das der Fall sind wir fast zurück zu normal.

Frühsport II

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Auch heute hat es mich bei wundervollem Wetter früh aus dem Bett getrieben. Allerdings fand die heutige Tour ohne Stöcke, dafür mit Fotoapparat, Mann und Hund statt. Ach war das schön. Kalt, aber nicht feucht, wundervolles Licht und auf der Hörn vereinzelt Eis.

Hörncampus

Es tut gut in Bewegung zu sein. Ich verbringe ja viel Zeit am Schreibtisch und so ist es leicht zu, dass ich etwas steif werde. Meine alten Gelenke sind nicht mehr so geschmeidig wie früher und so wie ich meine Terrasse habe und die Temperaturen vernünftiger sind, werde ich auch wieder Yoga machen. Hier drinnen macht es nicht so richtig Spaß, da es doch sehr beengt hier ist.

Gleich werde ich, wie es älteren Damen geziemt, eine Mittagsstunde machen. Es hilft ja nichts, der Schlaf muss nachgeholt werden.

Frühsport

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Wie heißt es doch so schön: Wer früh aufsteht, kann früher fröhlich sein. Heute morgen hat es mich gepackt. Schon lange möchte ich wieder mehr Sport machen.

Nordic Walking

Also habe ich meine Nordic Walking Sticks angesehen und gedacht: These Sticks are made for walking, so lets walk. Ach war das schön. Ich bin um die Hörn herum und war überrascht, wie schnell ich wieder drinnen war, ein recht gutes Tempo hatte und wie gut es mir gefallen hat. Wieder zu Hause, war ich derartig fröhlich, dass mein verschlafener Mann beschlossen hat, das nächste Mal mitzukommen. Das ist fein, denn seine Hosen sitzen schon recht stramm mittlerweile. Aber ich sollte nicht lästern, meine sitzen nur aus einem Grund nicht stramm, weil sie allesamt Gummizug haben und bei den meisten ist der ausgeleiert. Der Winter war nahrungstechnisch recht gehaltvoll.

 

 

 

Beinahe hätte es heute bumm gemacht

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Beinahe wäre es heute Richtung Himmel gegangen. Wir haben ja einen neuen Herd käuflich erworben und heute sollte das Gaskochfeld angeschlossen werden. Bei Medimax wurde uns versichert, dass die Leutchen befähigt seien Gasinstallationen vorzunehmen. Anscheinend sind sie es nicht. Sie friemelten da etwas zusammen und waren schon fast aus der Tür, als Viktor bemerkte, dass es nach Gas roch. Leicht verschämt, stellten die Herren fest, dass es wohl doch nicht so geklappt hat. Wir haben sie verabschiedet, nach dem sie uns das Geld für die Installation versprachen wieder gut zu schreiben und nun kommt Donnerstag ein richtiger Installateur und baut den Anschluss auch gleich auf die neuste Variante um. Bis dahin, werden wir also ohne Herd sein. Aber egal, besser als in die Luft fliegen. Ich bin so etwas von sauer, wie kann es angehen, dass diese Halunken im Medimax behaupten ihre Leute sind berechtigt und befähigt zur Gasinstallation, wenn dies augenscheinlich nicht der Fall ist? Meine Güte, während der eine fummelte, hat der andere ihm die Gebrauchsanleitung vorgelesen. Viktor hat die Sache nun an die Verbraucherzentrale weitergegeben und wir gehen jetzt was Essen.

Heute war ohnehin ein anstrengender Tag. Meine Kamera sollte aus der Reparatur kommen, Viktor holt sie ab, probiert sie aus, wieder Objektivfehler. Leider lief sie im Geschäft wieder. Nun wollen sie dort zwei Tage mal drinnen und draußen testen, ob es nun geht. Mittlerweile ist das Teil mehr in der Reparatur, als das ich damit fotografiere. Ich geh jetzt essen und Guiness trinken und dann zu Bett.

Sonntag

Tulipan

… und das Wochenende ist auch schon wieder um. War schön. Samstag haben wir vor uns hingepuzzelt und heute kam eine Freundin zu Besuch. Eigentlich wollten wir ihr einen Blog einrichten, kamen aber nicht so recht weiter, doch es kam auch so keine Langeweile auf. Bücher, Filme, Politik und was noch alles wurde besprochen und die Zeit verging wie im Flug.

Nun werde ich mich langsam bettfein machen. Noch ein wenig mit Wolle werkeln und Hörbuch hören, dann ein paar Seiten lesen und schlafen. Hoffentlich so tief und fest, wie gestern Nacht. Vorgestern erwachte ich aus einem Traum. Ich wurde hingerichtet. Der Scharfrichter hob das Beil und im nächsten Moment sah ich irgendwie von oben auf meinen Körper und sah, dass er mir den Kopf nicht abgeschlagen, sondern aufgeschlagen hat. Ich konnte mein Gehirn sehen und Blut und dachte: ‚Was für ein Stümper, kann nicht einmal richtig köpfen.‘ Komischerweise hatte ich nicht richtig Angst und obwohl mir klar war, dass ich so nicht weiterleben kann, fragte ich mich diesmal nicht, wenn ich an Tod, finale Bäder in der Ostsee, tödliche Erkrankungen denke: Was wird aus Jenni und Viktor? Diesmal war ich zuversichtlich, dass ich weiter da sein werde. Nur eine Hülle war weg. Komischerweise fühlte ich mich wunderbar befreit. Als ich aufwachte, konnte ich allerdings lange nicht wieder einschlafen, weil mich der Traum so beschäftigte.

Doch nun Handarbeit und Literatür

Die Sache mit dem Armsein

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Dass wir nicht viel Geld haben, dürften ja mittlerweile alle die hier mitlesen mitbekommen haben. In der Regel macht es mir auch nichts aus arm zu sein. Wir haben Prioritäten gesetzt und in der Regel kommen wir über den Monat und wenn es gut läuft, verdrängt man gerne, dass wir so gut wie keine Rücklagen haben, oft genug auf Kulturveranstaltungen verzichten müssen und so einige Male am Verzweifeln waren, wenn etwas kaputt ging, was dringend gebraucht wird.

Besonders bewusst geworden ist mir dies in letzter Zeit. Viktor hat ein wenig Geld von seinem Bruder geerbt. Nicht viel, aber doch soviel, dass wir einiges im Haushalt ersetzen konnten. Unser alter Herd, der schon lange ein wenig muckte, und wir immer Angst hatten, dass er den Geist aufgibt, die Lattenrosten, die schon so oft geflickt waren, dass es wirklich nicht mehr ging, mein Rechner war auch dabei sich zu verabschieden und was Kleidung betrifft, sagen wir mal so, eine vernünftige Regenjacke habe ich schon lange nicht mehr und finde auch Second Hand kaum etwas in meiner Größe (die geht schon eher in Richtung Nordlandzelt). Wir haben also die letzte Zeit ein wenig Geld ausgegeben und uns gefreut, dass wir vorbeugen konnten. Mit dem was wir jetzt angeschafft haben, werden wir über die nächsten Jahre kommen. Mir ist erst jetzt, wo es möglich war für Ersatz zu sorgen, ohne dass sich die Frage stellt, wovon wir die nächsten Wochen leben wollen, aufgefallen, wie sehr mir die angespannte finanzielle Lage doch oft an den Nerven zerrt.

Es geht gar nicht darum zu klagen. Wir sind zwar finanziell immer knapp, aber wir leben nicht schlecht und oft hat es sich auch in Notsituationen irgendwie geregelt. Doch es ist nicht schön, so gar keine Sicherheit zu haben und immer darauf angewiesen zu sein, dass jemand hilft.

Übrigens standen wir gestern voller Glück vor dem neuen Herd und waren schier überwältigt, dass wir uns so ein Teil gekauft haben (ohne noch 2 Jahre Raten abzustottern), dann wurde es klar, dass es für uns beide, mit unseren über 60 Jahren, der erste neue Herd war. Vorher haben wir immer gebrauchte Teile gehabt. Überhaupt haben wir kaum neue Möbel, was ja auch in Ordnung ist, mir gefällt das. Aber komisch ist es schon. Vor allem wenn ich bedenke, dass mein Schwager (nicht der tote) erzählte, sie hätten ihren drei Jahre alten Herd aussortiert und durch einen neuen ersetzt, weil man ja einfach technisch auf dem neusten Stand sein muss.

Mir ist natürlich sehr bewusst, dass diese Phase der finanziellen Erleichterung nicht anhalten wird. Soviel ist es wie gesagt auch nicht. Doch ich habe keine Lust an die Zeit zu denken, wenn es wieder knapp ist. Das ist mein neues Projekt, mich im hier und jetzt freuen und nicht sorgenvoll an die Zukunft zu denken … und selbst, wenn es wieder enger wird. Wir haben neue Lattenrosten und einen neuen Herd und ein paar Euro auf der Seite, falls Suka krank wird und wir zum Tierarzt müssen.