Das Ende ist nahe

Heute waren wir nur kurz im Hospiz. Dieter ging es so schlecht, dass er seine Ruhe wollte, also sind wir gegangen, haben aber vorher noch mit der Schwester gesprochen, die sagte, was ich schon wusste: Dass es nun nicht mehr lange dauern wird. Natürlich war das die ganze Zeit klar, aber man gewöhnt sich so an die Routine, auf Besuch zu fahren und irgendwann ist man überrascht, dass es nun wirklich zu Ende geht. Ich muss gestehen, mir graut vor der Zeit „danach“, vor den ganzen Dingen, die erledigt werden müssen und vor allem vor den Auseinandersetzungen mit seiner Freundin, […]

Hekate – an der Wegkreuzung

In letzter Zeit ziehe ich dauernd Hekate als Tageskarte. Die Wegkreuzung, es wird also Zeit Entscheidungen zu treffen, wie es weitergehen und vor allem wohin es gehen soll. Hatten heute ein ernstes Gespräch und eine Entscheidung ist gefallen. Da es noch ein wenig Finetuning braucht, dazu später mehr. Erleichterung und Trauer halten sich die Waage. Also einen Weg haben wir ausgesondert. Doch wo soll es hingehen. Ich glaube ich halte es mit Robert Frost: Im Wald zwei Wege boten sich mir dar, ich nahm den, der weniger betreten war, und dies veränderte mein Leben. Eine Empfehlung die diese Karte hat, […]

Die tägliche Routine

Während unser Alltag sonst eher von Büchern, Musik und Hundespaziergängen bestimmt war, sind es jetzt die Besuche im Hospiz, die Fahrten in die Messihölle und Seelenstreichler, wie Ausflüge und Kuchenessen. Heute war es im Hospiz besonders anstrengend, obwohl wir Dieter es ein wenig bequemer machen konnten, er hat sogar ein wenig getrunken, atmet aber extrem schwer und man hat den Eindruck, jeder Atemzug könnte der Letzte sein. Das dem nicht unbedingt so sein muss, ist klar, nur man wünscht es ihm … und ja, auch uns. Heute war es besonders wichtig, dass wir noch etwas Schönes machen, bevor es zurück […]

… und nachmittags in die Messihölle

Es ist an der Zeit die Wohnung des Herrn Schwager abzugeben. Nicht unmittelbar, aber innerhalb der nächsten Wochen. Also waren wir heute noch einmal da. Ich mag kein Bild von der Behausung beilegen, nur so viel, immer wenn ich dort war, kehre ich deprimiert zurück. Ich denke wir brauchen noch eine Tour, dann können wir die Entrümplungsfirma kommen lassen und die Wohnung übergeben, sowie Dieter tot ist. Klingt irgendwie nicht nett, ist aber durchaus so gemeint. Wir müssen da schnell einen Abschluss haben. In der Wohnung wird uns so vieles bewusst, was wir nur latent ahnten und das ist so […]

Pelzerhaken

Heute ging es, wie man dem Posttitel unschwer entnehmen kann, nach Pelzerhaken. Jenni und die Kinder sind dort im Urlaub und haben drei Wochen Meer und Strand, was ihnen sicher gut tut. Es war ein wunderschöner Tag. Viktor und ich waren mit Selena am Strand und Jenni ist mit Melinda zum Schwimmkurs gewesen, wobei die kleine Krabbe mal eben, eigentlich nebenbei, ihr Seepferdchen gemacht. Nun können beide Mädchen schwimmen und keine von Beiden will mit ihrer alten Oma in die Ostsee. Na ja, ich habe da ja auch alleine Spaß. Melinda meinte übrigens, ich habe gut ausgesehen als ich erwachsen […]

Selent ohne See

Gestern haben wir uns zu einem Spontanausflug entschlossen. Es sollte an den Selenter See gehen. Da ich mich auf den Orientierungssinn meines Mannes verlassen habe, der nur sehr rudimentär vorhanden ist, also der Orientierungssinn, nicht der Liebste, blieb es bei einem Waldspaziergang. Nach zwei Stunden herumtappern, ging es zurück nach Hause, auf der Rückfahrt fanden wir auch den See, hatten aber nicht einmal mehr Lust auszusteigen, um ein Foto zu machen. Warum falle ich immer wieder darauf rein und denke, er wird es schon wissen? Allmählich sollte mir doch bewusst sein, dass Herr Braun, einfach keinerlei Sinn für Richtungen und […]

Nächste Stufe: Zu schwach für Besuch

Gestern konnten wir das erste Mal nicht zu Dieter. Wir waren bereits im Hospiz und wurden vom Pflegepersonal informiert, dass er sich nicht in der Lage fühlt Besuch zu empfangen. Wir rufen nicht mehr direkt bei Dieter an, weil er kaum noch das Telefon abnimmt und weil das dauernde Klingeln doch stören würde, sind aber mit den Schwestern so verblieben, dass wir im Stationszimmer anrufen, ob Besuch genehm ist. Eben habe ich mit einer Schwester gesprochen und die berichtete, dass er neben dem Essen und Trinken nun auch die Pflege abgelehnt hat. Er scheint nur noch Ruhe zu wollen … […]

Denn mein Herz ist frisch gebrochen von Dorothy Parker

Diese Rezension, lässt sich relativ kurz halten. Die Gedichte von Dorothy Parker sind wundervoll, sie haben allen Witz, alle Schärfe, kurz alles, was die Autorin ausmacht. Im Original! Leider hat sich Ulrich Blumenbach daran gemacht, all dies in der deutschen Übersetzung zu vernichten. Er scheint seine Arbeit frei nach dem Motto: Reim dich oder ich fress dich, angegangen zu sein. Und wenn sich halt kein passender Reim für Rüben finden lässt, dann macht er halt Schalotten draus, weil sich Karotten so hübsch drauf reimt. Bei aller Liebe zur freien Übersetzung, aber wenn die Autorin im Original einen Vers mit einem […]

Lammas – Die Zeit der Schnitterin

Heidnisch gesehen beginnt heute der Herbst. Lammas ist das erste Erntefest. Zeit zu überdenken, was es los zu lassen gilt und wofür Raum geschaffen werden soll. Ich merke den Jahreskreis immer stärker in meinem Körper, in meiner Seele. Gerade jetzt, wo ohnehin so vieles zu überdenken ist, bin ich dabei noch mehr nach innen zu gehen und eine Bestandsaufnahme zu machen. Keine Frage, bis dato hat mich das Jahr fix gebeutelt und ich bin erschöpft. Den heutigen Tag habe ich wahrlich genossen, nirgends hin müssen, keine Verpflichtungen haben. Einfach vor mich hinpusseln. Ein zwei Rezensionen zu CDs schreiben, kochen, mit […]

Es plätschert so …

… vor sich hin. Die Veränderungen beim Herrn Schwager sind minimal und doch ist es nun unübersichtlich, dass er nicht mehr einfach ein Kranker, sondern ein Sterbender ist. Besonders für Viktor ist das hart, aber er hält sich tapfer. D. hat die Nahrungsaufnahme eingestellt. Er will nicht mehr essen und wir drängen ihn auch nicht. Es muss seine Entscheidung bleiben. Seine Mutter hat es ähnlich gehalten. Als sie bereit war zu gehen, hat sie nichts mehr zu sich genommen. Dieter trinkt wenigstens noch. Wenn ich dort sitze und ihn ansehe, dann bin ich sehr traurig, aber auch dankbar, dass er […]