Erschöpft

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Mir geht es wie unserer Chilli, ich bin erschöpft und könnte egal wo umfallen und schlafen. Heute waren wir wieder drei Stunden im schwägerlichen Chaos. Drei Stunden sind da wirklich die Grenze, mehr halte ich nicht aus und Viktor geht es ähnlich. Dazu noch die emotionale Belastung … wahrlich nicht die schönste aller Zeiten.

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Ein bisschen Lektüre habe ich mir gegönnt. Steine liebe ich so sehr und komme selten vom Strand zurück, ohne das einer oder zwei in meine Tasche gewandert sind. Das sie auch Heilkräfte haben finde ich spannend und denke, dass die Zeit für dieses Buch schon lange reif ist. So ganz habe ich nie eingesehen, warum ich Edelsteine und Quarze kaufen soll, wenn der Strand bei uns voll liegt, von wunderschönen Exemplaren, die nur nicht so funkeln, aber dafür auch nicht unter dubiosen Bedingungen abgebaut wurden.

 

Ich bin dafür

Ich bin dafür, wann immer es geht, aufs Wasser zu schauen

Ich bin dafür, für eine gewaltfreie Welt einzutreten

Ich bin dafür, zu lieben und aus vollem Herzen zu lachen

Ich bin dafür, meinen Mitlebewesen und der Umwelt mit Respekt zu begegnen

Ich bin dafür, gut zu Essen, zu Trinken, Musik zu naschen und zu tanzen

Ich bin dafür, einem Sterbenden die Hand zu halten

Ich bin dafür, mehr dafür und weniger dagegen zu sein.

Wörter zum Sonntag

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Es war eine anstrengende Woche, eine mit viel Nerv und nochmehr Missverständnissen, einer Menge Sachen, die wir erledigt haben und noch mehr, das liegen geblieben ist. Doch davon lass ich mich nicht niederdrücken. Wir gönnen uns Auszeiten, egal, was kommt. Wir machen Pläne, unter anderen überlegen wir in den Urlaub zu fahren, wenn alles vorbei ist. Da Suka die letzte Zeit ein wenig kurz gekommen ist, weil wir dauernd unterwegs waren, haben wir heute mit ihr einen Ausflug in den Hundewald nach Trappenkamp gemacht, wo sie freilaufen kann.

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Am Freitagaben waren wir Musiknaschen. In der Gaardener Sozialkirche findet einmal im Monat ein Konzert statt. Diesmal hat die Kieler Band The Inner Tradition gespielt. Haben mir super gefallen. Die Herren haben schon seit vielen Jahren immer mal, in verschiedenen Konstalltionen miteinander gespielt und seit drei Jahren gibt es sie in dieser Formation. Jeder hat etwas aus seiner bevorzugten Richtung mitgebracht. So ist eine wundervolle Mischung aus Irish Folk, Blues, Breton Folk und manchmal auch Klezmer entstanden. Unbedingt empfehlenswert.

dieter und Viktor

Ansonsten waren wir viel bei Dieter. Gestern hatte er sogar Lust auf einen Spaziergang im Garten des Hospizes und ich habe die Gelegenheit genutzt ein Foto von meinen beiden Brauns zu machen. Ist nicht ganz so geworden, wie ich es mir gewünscht habe, aber vielleicht können wir es noch einmal wiederholen. Die Verfassung von Braun sen. schwankt. An einem Tag geht bald gar nichts mehr und dann wieder ist er recht wach und traut sich auch vor die Tür. Die ganze Situation geht an die Substanz. An manchen Tagen hoffe ich, dass es bald vorbei ist und dann wieder, dass wir ihn noch einige Zeit behalten können. Wahrscheinlich ist das ganz normal. Mein größter Wunsch ist, dass die Endphase sich nicht zu lange zieht.

Lebenszeichen und ein Blick über den Tellerrand

unwirklich

Unserem Leben haftet im Moment etwas Unwirkliches an. Es ist so ein „Dazwischen“. Wir scheinen ständig unterwegs zu sein. Dieters Wohnung, Hospiz, Besorgungen, Überweisungen und  und und. Dann wieder zu Hause und es lohnt sich nicht wirklich etwas anzufangen, weil wir ja gleich wieder los müssen. Jeden zweiten Tag gehen wir den Herrn Schwager bespaßen, der immer weniger wird und nun alles regelt. Gestern hat er mit uns seine Beerdigung besprochen und wer was von seinen weltlichen Gütern haben soll. Bücher, Staubsauger und so weiter wollen ja verteilt sein. Viktor und ich sind sehr erleichtert, dass er es loslässt und sagt, was womit geschehen soll. Das erleichtert es doch sehr.

Trotz unserer nicht ganz einfachen Situation, haben wir ein waches Auge auf die Ereignisse in Hamburg und sind entsetzt. Ich selber bin nicht vor Ort, aber andere sind es. Birte hat in ihrem Heimathafen, einen Beitrag geschrieben, der mir sehr aus der Seele spricht. https://hamburgerzwischenloesung.wordpress.com/2017/07/06/warum-ich-dagegen-bin/

Ich drücke die Daumen, dass es heute friedlich bleibt,

Heute geht es nach Gaarden, der Beginn der Schreibwerkstatt ist schon wieder verschoben worden, aber es gibt auch so einiges dort zu erledigen. Ich brauche Lokalkolorit, um Charlotte und Adele zu akutalisieren und vorher muss ich zum Optiker, ich brauche eine neue Brille. Mittlerweile bin ich nicht nur weitsichtig, sondern auch kurzsichtig. Es muss das Alter sein, von dem alle reden.

 

Grenzen setzen

Zur Zeit trampeln reichlich Leute auf meinen Nerven herum und überschreiten Grenzen, die ich nicht überschritten haben will. Passiert immer, wenn ich eh gerade besonders angeschlagen bin. Dann taucht in meinen Tageskarten Durga auf, die rät Stop zu sagen und eine klare Linie zu ziehen, die nicht überschritten werden darf. Damit war ich heute beschäftigt, ich habe einfach mal alles andere ruhen lassen und mich nur damit beschäftigt, wo für mich Schluss ist. Das eine ist meine Zeit, also die zum Arbeiten. Da ist ganz klar, die muss ich haben. Das andere ist meine Aktivitäten im Außen. Wichtig sind im Moment Viktor, Dieter, meine Tochter und Suka, nicht notgedrungen in der Reihenfolge, alles andere kann erst einmal ruhen, bis sich das eine oder andere erledigt hat.

Gestern war ich auf der Suche nach Trostliteratur und heute habe ich ein Buch gefunden, dass ich so sehr liebe und auch schon öfters gelesen habe. Die Frau des Zeitreisenden von Audrey Niffenegger. Eine tolle Autorin und ein guter Grund heute früh zu Bette zu gehen.

Anbei ein Gespräch zwischen Neil Gaiman und Audrey Niffenegger.

Und wenn du denkst, es geht nicht schlimmer …

… wirst du prompt eines besseren belehrt.

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Abgesehen von den schwägerlichen Sorgen, begann der Morgen damit, dass ich mich über eine unserer Autorinnen geärgert habe. Dann ging es zum Tierarzt, dort schien der Tag die Tendenz zu entwickeln, besser zu werden. Die Schwellungen in Sukas vorderen Achselhöhlen, sind aller Wahrscheinlichkeit nach einfach Fettgeschwulste, die aber trotzdem entfern werden sollten. Muss aber nicht gleich sein. Also nicht tödlich, nur teuer. 300 – 400 €, die wir erst einmal irgendwie zusammenklauben müssen.  Kaum wieder zu Hause. Telefonat mit Tochter, die am Ende ist. Zur permanten Überlastung, kommt nun auch noch, dass der Vater der Kinder seit Monaten keinen Unterhalt bezahlt. Also in den nächsten Tagen nach Hamburg und mit ihr die Finanzlage klären, bevor sie richtig in die Bedrouille kommt. Mir ist danach, mich einfach irgendwo zu verstecken und mich wecken zu lassen, wenn bessere Zeiten anstehen. Oder noch besser, mir ein Buch zu suchen und dort einzutauchen. In welches würde ich denn gerne gehen? Muss ich mich mal umsehen. Ich denke ein Kandidat könnte ein alter Liebling sein, „The Grand Sophy“ von Georgette Heyer oder „The Thin Woman“ von Dorothy Cannell. Beide fallen in die Kategorie Trostliteratur.

Ein merkwürdiger Geburtstag

Tod Arosenius

Heute hat der Herr Schwager Geburtstag und wir sind mit Kuchen und Kaffee im Hospiz angerückt. Als ich ihn sah, musste ich daran denken, was ich heute Morgen, als Kommentar bei der Wildgans zum Wort des Tages „July“ geschrieben haben: „Der Anfang vom Ende“. Es scheint nun recht schnell zu gehen. Linksseitig ist der Lymphknoten am Hals stark geschwollen, gut Kinderfaust groß ist das Teil, und er hat schon wieder Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Morgen kommt die Urologin. Der Arzt im Hospiz meinte zu uns, dass er Anfangs nicht verstehen konnte, wieso Dieter mit einem Dringlichkeitsattest geschickt wurde, doch nun sieht er selber, dass er rapide verfällt.

Rotfinger

Wir haben trotzdem versucht gute Laune zu verbreiten, haben den Tisch, mit sehr netter Unterstützung des Personals, hübsch gedeckt und sogar ein Glas Sekt mit ihm getrunken. Dieters Freundin hat ihm Schubert und Bach auf dem Klavier vorgespielt und er hat sich von Viktor gewünscht, dass er die Gitarre mitbringt und ihm Bach Bouree vorspielt. Das Stück hat Viktor auf der Beerdigung seiner Mutter gespielt.

Viktor und ich haben allerdings drei Geburtstagskarten verschrieben, bevor wir etwas Herzliches, aber doch Neutrales hinbekommen haben. Ist gar nicht so einfach, wenn man weiß, dass es der letzte Geburtstag sein wird.

Im Augenblick kriege ich mich kaum ein, und mir stehen die Tränen in den Augen. Morgen muss ich auch noch mit Suka zum Tierarzt. Die Lymphknoten in den vorderen Achselhöhlen sind geschwollen. Das lässt auch nichts Gutes befürchten. Bestenfalls ist es einfach was Teures.

Das obere Foto zeigt übrigens ein Bild des unvergleichlichen Ivar Aroesenius. Zu jeder anderen Zeit wäre es als Geburtstagskarte für Dieter geeignet gewesen, noch letztes Jahr hätte er sich köstlich darüber amüsiert. Diesmal konnten wir es nicht über uns bringen.

Ich habe ja immer behauptet, dass 2016 ein Arschlochjahr ist. Die erste Hälfte 2017 verdient schon das Prädikat Arschlochjahr-plus.

 

Wir stachen in See

Ableger Bahnhof

Wir haben uns ja vorgenommen, in diesen Zeiten, in denen wir es nicht gerade leicht haben, daran zu denken, uns Erholung zu gönnen. Nun können wir natürlich nicht in Urlaub fahren, aber einen freien Ausflugsnachmittag, den können wir uns leisten. Also sind wir zum Anleger und auf das Fährschiff nach Laboe. Sind  aber bereits in Mönkeberg ausgestiegen und die vier Kilometer nach Heikendorf zu Fuß gegangen. Von dort ging es mit dem Schiff wieder zurück nach Kiel. Es wehte ein ziemlicher Wind und es war bewölkt, die Göttin sei Dank hat das Wetter gehalten und wir sind nicht nass geworden. In meinem jugendlichen Leichtsinn bin ich einmal wieder ohne Jacke los.

FSK Laboe

Natürlich gab es auch einen Zwischenstopp. Wer so viel läuft darf Kuchen essen. Also ging es noch ins Galeriecafé. Sehr leckerer Käsekuchen, von dem es kein Foto gibt, war zu schnell vertilgt.

Bereits gestern hatte ich mir einen freien Tag gegönnt. Den habe ich aber komplett im Bett verbracht und so viel Spaß gehabt. Mir ist beim Ausräumen ein Buch, das ich mit 13 unter der Bettdecke gelesen habe – eines der wenigen war, die ich nicht lesen sollte -. weil es laut Papa erotische Literatur war und laut Mama Schweinkram, in die Hände gefallen. Damit war natürlich klar, dass ich es lesen musste, denn Sex war ja was, was mich in dem Alter brennend interessierte. Also habe ich Kin Ping Meh mit der Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen und fand es sehr lehrreich. Gut, es hat etwas gedauert, bis ich raushatte, was mit dem Spielen der Purpurflöte gemeint war, aber anderes war doch sehr verständlich. Gestern habe ich also noch mal gelesen, wie Hsi Men und seine sechs Frauen, sich mehr oder weniger ins Verderben vögeln. Dabei habe ich festgestellt, dass sich mein Fokus verschoben hat, die erotischen Stellen fand ich eher lustig, doch die Beschreibung des Lebens im alten China total spannend. Das Buch wurde während der Ming Dynastie geschrieben, spielt aber in der Song Dynastie. Einige Bücher sollte man doch erst in einem gewissen Alter lesen, man weiß sie denn mehr zu schätzen.

Nun wird es Zeit den Feierabend einzuläuten und es mir bequem zu machen.  Morgen geht es ins Hospiz Geburtstag feiern. Mir ist da ein wenig mulmig, was schreibt man auf die Karte für den höchstwahrscheinlich letzten Geburtstag? In dieser Situation bleibt einem das „Bleib Gesund und munter“ im Halse stecken.