Das Kind und der alte Mann

Regen im Spiegel

Nach einigen sonnigen Tagen, an denen wir einmal bewusst alle Sorgen beiseite geschoben haben, sind wir nun wieder ein wenig im Alltag gelandet. Heute waren wir bei Dieter, wir alle drei, also mit Selena. Dieters Freundin war zwar entsetzt, dass wir ein Kind mit zu einem Sterbenden nehmen, aber J. und ich sind uns einig, dass das nicht verkehrt ist. Wir haben Selena im Vorwege erklärt, was ein Hospiz ist und das Dieter dort ist, weil er sehr krank ist und dort in absehbarer Zeit sterben wird. Sie war so niedlich da und hat ihm eine Rose gemalt und überhaupt recht unbefangen mit ihm geplaudert. Viktor und ich hatten das Gefühl, dass ihm, so schwach wie er auch ist, Selena gut getan hat. Dieter mag Kinder sehr und hatte immer einen guten Zugang zu ihnen.

Es ist allerdings erschreckend, in welchem Tempo er verfällt. Er wimmelt Besuch mehr und mehr ab, liegt nur noch im Bett und hört Bethoven. Nicht die schlechteste Begleitung in den Tod. Morgen kommt allerdings ein Besucher, den er angefordert hat, den Mann, den er zum Trauerredner auserkoren hat. Er will mit ihm besprechen, was er gesagt haben will, auf seiner letzten Party.  Ich finde es gut, dass er so aktiv an seinem Abschied teilnimmt, obwohl mir der Gedanke das Herz bricht, dass wir ihn bald nicht mehr haben werden.

Bei den Wildschweinen

wildsau

Heute waren wir im Schwentinetal und haben mal bei den Wildschweinen längs geguckt. Das war wieder ein Erlebnis. Selena mochte die nichts so, sie sagt, die stinken. Aber ich finde sie so lieb, dass mich der Geruch nicht stört. An der Schwentine ist es immer sehr schön. Der Fluss ist recht verwildert, was ich sehr mag. und es steht mein Traumhaus dort. Obwohl es noch mehr Traum wäre, wenn es direkt an der Ostsee stände, doch man kann nicht alles haben. Außerdem kann ich es mir dahin träumen, ist ja mein verdammtes Traumhaus.

Traumhaus

Aber es steht da auch recht schön. Ansonsten haben wir viel Spaß und morgen gehen wir baden. Außer es regnet, dann suchen wir uns was anderes. Das Zoologische Museum vielleicht.

Großmütterlich

Halfgranny

Für die Zeit von Selenas Besuch habe ich mir ein einfaches Muster zu häkeln gesucht. Passend zum Thema nennt es sich Halfgranny. Macht Spaß und man muss nicht zählen, was gut ist, denn jedes anspruchsvollere Muster würde ich im Moment nicht hinbekommen, soviel: Oma, kannst du mal … Oma, woher weißt du das Suka kein Wolf ist … Oma, wann gibt es Pizza. Aber es ist schön. Heute morgen waren wir einkaufen. Sandalen und T-Shirts und einen Hut. Dann nach Hause ausruhen, es ist so schwül heute, da mag man gar nicht rausgehen.

kapitalismus toetet

An meine Grenzen stieß ich bei der geforderten Erklärung, was dieser Schriftzug bedeutet. Was Kapitalismus ist und warum er tötet. Gar nicht so einfach, dass einer achtjährigen zu erklären, auch wenn sie bald neun ist. Ich denke aber ich habe es nicht ganz so schlecht gemacht.

So, nun werden wir mal sehen, was die Pizza macht und dann geht es heute früh zu Bett.

Selena ist in Kiel gelandet

Mohnwolle

Heute haben wir Selena abgeholt. Das war viel Fahrerei, aber auch viel Spaß. Ein Kind, dass gleich nach dem Losfahren einstellt und direkt vor der Haustür fragt: „Sind wir schon da?“, dass ist Luxus. Ihre Mutter hat früher alle drei Meter gefragt. Überhaupt war es schön Jenni zu sehen und auch die kleine Enkeltochter. Melinda bleibt ja bei ihrer Mutter, während wir hier elf Tage mit Kind machen.

Außerdem habe ich ein neues Hobby, ich häkele Dreieckstücher. Aus dem Knäuel oben soll dieses Tuch entstehen:

 

Da ich glaube,

… dass es früher oder später zum Zusammenbruch des Systems kommt, sorge ich vor.

selbstversorger

Lese darüber wie mal sich vom Wegesrand ernährt, welche Steine Hilfreich sein können und welche Pflanzen hier wachsen. Auch lege ich Vorräte an. Nicht wie der Herr Schwager, sondern effektiv. Einfach dafür sorgen, dass ein gewisser Grundstock immer im Haus ist. Ich weiß einige schreien nun „Verschwörungstheorie“, aber egal, ich gehe lieber auf Nummer sicher. Denn eines ist mal klar, besser wird es nicht. Und falls ich mich irre auch nicht schlimm. Man soll neues, auch altes, Wissen nie ablehnen.

Nichts müssen müssen

Ruhende Dame

Bei Brauns ist heute Ruhetag. Welch ein Luxus nichts müssen und nirgends hin müssen, nur dürfen. So kam es zu einem relativ langen Spaziergang zum Schrevenpark. Obwohl das Wetter nun wahrlich nicht schön ist, haben wir es genossen. Das es ausgerechnet vor dem Lieblingeisdealer zu regnen begann, haben wir mal als göttliches Zeichen genommen und sind dort eingekehrt.

Gleich werde ich noch einige Bücher fotografieren und dann ein wenig häkeln. Dazu Hörbuch Smoke & Mirrors von Elly Griffiths.  Ich mag die Stephens & Mephisto Mysteries dieser Autorin sehr. Fast noch einen Tick lieber als die Serie um Ruth Galloway.

Euch allen einen schönen Restsonntag.

Ein Kessel Buntes

bunte_steine

Es ist eine verrückte Zeit. Soviel passiert, soviel zu sehen, zu erleben und so ruhelos. Obwohl ich müde bin, mache ich weiter, weil Schlaf nicht erholsam ist, sondern anstrengend. Nun sind die Schwäger krank. Der Mann meiner Schwester ist mit dem 6. Herzinfarkt im Krankenhaus, der andere Schwager im Hospiz. Bei aller Trauer und Ungewissheit, soviel Grund zur Freude. Der Ausflug nach Seebüll, die Enkelin, die nächste Woche kommt. Suka, die es so genießt ans Wasser und in den Hundewald zu kommen. Viktor und ich, die uns in all dem Durcheinander noch öfter als sonst, einfach einmal umarmen und festhalten. Uns gegenseitig ein Anker im Wahnsinn.

 

Aufgeregt

bülk

Das erste Mal, seit sie auf der Welt ist, wird meine Enkelin Selena für einige Tage zu uns ins Bruchbudenparadies kommen. Ich freue mich so auf ihren Besuch und Viktor auch. Wir sind schon am Planen, was wir alles unternehmen wollen. Haithabu, in jedem Fall. Und Freilichtmuseum Molfsee und Strand, viel Strand und zwischendrin schreiben, lesen und malen. Das wird schön. Melinda bleibt bei ihrer Mutter in Hamburg, was ein wenig schade ist. Wiederum, vielleicht ist es gut, wenn wir erst einmal mit einer anfangen, sind ja nicht mehr die Jüngsten.

Auch heute war noch hospizfrei. Den Tag haben wir genutzt um mal ein wenig Hausarbeit aufzuholen und unseren Papierkram auf die Reihe zu bekommen. Morgen geht es wieder zu Dieter. Er war aber nicht einsam, Freunde aus Boltenhagen und aus Lübeck waren zu Besuch und da hat er sich sehr drüber gefreut.

Wir werden den Abend gleich mit einem leckeren Essen ausklingen lassen. Grüne Bohnen mit Backofenkartoffeln und Spiegelei.

 

Nolde und Lachs

Emil Nolde

Seit Jahren wollen wir nach Seebüll und für diesen Sommer war es eigentlich fest geplant. Mit Schwager Dieter! Gestern im Hospiz sprachen wir davon und er meinte, wir sollten es angehen und uns einen schönen Tag machen. Das haben wir getan. Heute Mittag sind wir los und sind vier Stunden in Seebüll rumgewandert. Im Bildersaal war ich so überwältigt von der Farbgewalt und dem Leben, das diesen Bildern innewohnt, dass mir die Tränen kamen und ich habe wahrlich nicht nah am Wasser gebaut. Also raus in den Garten und ums Haus. Das Haus gehört zu meinen Traumhäusern. Könnte nur gerne woanders stehen, mir ist die Gegend dort zu platt. Mein Vater sagte immer, wenn wir auf der Ecke waren „Hier kannst all midweek sehn, welkeen Sünndag to’n Kaffee kümmt“. Also im Sommer geht es ja, aber im Winter? Nee danke.

noldehaus

Nachdem wir nach Kaffee, Kuchen und Postkarten schreiben noch durch die biografische Ausstellung gewandert sind, haben wir uns nach Dagebüll aufgemacht. Dort hat ein kurzer Blick auf die Nordsee aber genügt. Zurück ging es über die Dörfer und in Schleswig/Haddeby waren wir bei Odins zu Gast. Ein wunderbares Gasthaus mit gepflegter, qualitativ hochwertiger Küche, in dem wir öfters mit D. Station gemacht haben. So war bei dem sehr leckeren Lachs, auch ein wenig Wehmut dabei.

lachs

Allerdings überwog die Freude. In der Regel können wir uns solche Ausflüge nicht leisten, heute waren wir eingeladen.

So, nun muss ich zu Bette und das Erlebte sortieren. Morgen geht es weiter mit Schwager begöschern und ausräumen. Mittwoch kommt meine ältere Enkelin für eine Woche. Ich freu mich so.

Ausstinken

Möwen_s

Nach der Wühlerei in der schwägerlichen Höhle und den anstrengenden Hospizbesuchen, war es wieder einmal an der Zeit ans Wasser zu fahren. Um es deutlich zu sagen, ich musste mich mal ausstinken, wie meine Mutter es immer sagte, und was gibt es da besseres als Seeluft. Also Suka angepackt und mit dem Liebsten nach Bülk, dort ein gutes Stück gelaufen. Trotz Regen war es herrlich und ich fühle mich erfrischt. Ein schönes Gefühl, besonders, weil der Schlaf kein erholsamer ist zur Zeit. Mich plagen Alpträume und wenn ich wach werde, dann kann ich nur schwer wieder einschlafen. Die Göttin sei Dank, es gibt frische Luft und die Ostsee und ab und an ein leckeres Fischbrötchen. Damit kommt man über den Tag.

Toechter einer neuen Zeit

Gestern habe ich „Töchter einer neuen Zeit“ von Carmen Korn zu Ende gelesen. Den ersten Teil ihrer Jahrhundert-Trilogie. Sehr empfehlenswert. Die Handlung beginnt 1919 und die Erzählstimmen sind in der Hauptsache vier Frauen, durch deren Leben wir eine Menge über die Generation erfahren, die 2 Weltkriege erlebt hat. Sehr empfehlenswert!