Ich hab fertig

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Nach einem nahrhaften und seelenstreichelnden Frühstück auf des Liebsten Balkon habe ich mich ans Werk gemacht und mich auf die letzten Seiten von „A Jig before dying“ von Danny Carnahan gemacht. Kurz gesagt: Es ist vollbracht! Ich habe ein ganzes verdammtes Buch übersetzt! Nun noch überarbeiten und dann an die Fachfrau mit den Adleraugen weitergeben, die dann guckt, ob das Werk wirklich gelungen ist und wo es noch Korrekturen braucht. Selbst wenn da noch was sein sollte, ich bin stolz auf mich, dass ich durchgehalten habe. So langsam lerne ich Dinge zu Ende zu bringen.

Aufwickeln

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Wolle wickeln und Geschichten entwickeln geht wunderbar zusammen. Im Grunde wollte ich mir nur eine Sockenwolle fürs abendliche Stricken suchen und dann arbeiten. Ich verstaue meine Wolle immer in so einem Holzwürfel von IKEA, dort landen Reste, angefangene Projekte und Wolle die ich mal gekauft habe, aber nicht dazu gekommen bin, sie zu verarbeiten, weil man kommt ja zu nichts. Meistens vergesse ich das ich da ja noch was lagern habe und kaufe neu. Da heute Feiertag ist, musste ich an die Reserven und siehe da, ich habe noch massig zu verstricken. Also habe ich alles geordnet. Drei Stunden habe ich mit Wolle wickeln und in verschiedene Körbe sortieren verbracht. Dabei lief kein Film, kein Hörbuch, ich war alleine und habe einfach gewickelt und nachgedacht. Genauer gesagt, ich habe einfach meine Gedanken schweifen lassen, habe mich an Sachen erinnert, sie vorbeiziehen lassen, kam von einer Sache auf die nächste und so weiter. Als ich das letzte Knäuel Wolle verstaut hatte, war nicht nur mein Wollkorb, sondern auch mein Kopf deutlich ordentlicher, als einige Stunden vorher. Zwar bin ich nicht zum Arbeiten gekommen, aber ich fühle mich ausgeruht und zufrieden.

Gewohnheiten durchbrechen

Achtsamkeit

Ich bin Gewohnheiten gegenüber mißtrauisch. Natürlich, weiß ich sie auch zu schätzen, denn sie signalisieren Sicherheit. Allerdings eine trügerische, denn alles verändert sich ständig und immer. Darum neige ich dazu Gewohnheiten zu durchbrechen und zwar immer dann, wenn ich zu denken beginne: Ich muss … zum Einschlafen Hörbuch hören, meinen Fotoapparat dabei haben, immer die gleichen Wege gehen. Sowie sich ein „ich muss“ meldet, beginne ich in Frage zu stellen.

Nehmen wir ein Beispiel, seit einiger Zeit stelle ich mir zum Einschlafen ein Hörbuch auf dem Tablet ein, was natürlich auch bedeutet, dass das Teil auf meinem Nachtisch liegt, was ich eigentlich nicht will, weil ich dann morgens oft als erstes Mails checke und mal bei Facebook längs gucke. Jedenfalls war ich auf einmal fest davon überzeugt, nicht ohne Hörbuch einschlafen zu können. Gestern war es besonders extrem. Ich wollte schon schlafen, Viktor noch lesen. Da ist Hörbuch natürlich schlecht. Jedenfalls wurde ich unruhig und sogar sauer auf Viktor, weil er sein Buch nicht weglegte. Er tat es dann schließlich, alles war wieder eitel Sonnenschein und mit Mord im Pfarrhaus ging es in die Traumzeit. Heute morgen nun dachte ich über den Vorfall nach und sah mir meine Gedanken und Gefühle genauer an. Mein Gefühl sagte, ich werde ohne Hörbuch nicht einschlafen. Wenn ich nicht einschlafen kann, dann bin ich am Morgen nicht frisch, dann bin ich den Tag knartschig und überhaupt ist dann alles Mist. Dann sah ich mir das Gefühl näher an und dachte, ist es denn so schlimm, wenn du nicht einschlafen kannst? Das ist doch schon oft vorgekommen, was hast du denn früher gemacht? Gelesen! Aber wenn du ein Buch nimmst, machst du Licht an und das stört Viktor. Quatsch, du hast den Reader, da brauchst du kein Licht. Ja, aber ich bin morgen nicht ausgeschlafen. Das ist doch aber keine Katastrophe, du hast keine Termine und selbst wenn du welche hättest, dann würdest du dich im Anschluss eine Stunde hinlegen und gut. Stimmt schon, aber ich bin eigentlich zu müde zum Lesen und kann doch nicht einschlafen. Das macht doch aber nichts, du könntest doch auch einfach ruhig daliegen und ein wenig denken oder dir selbst eine Geschichte erzählen. Also was soll das ganze Gewese?

So in etwa meine Gedanken zu dem Thema. Das Fazit war, ich habe erkannt, dass es an der Zeit ist, eine zeitlang auf meine elektronische Gute Nacht Geschichte zu verzichten, da ich beginne mich davon abhängig zu fühlen und rücksichtslos zu werden.

Was mich vor allem an dem Durchbrechen von Gewohnheiten interessiert ist, wie sich die Wahrnehmung verändert. Das fällt mir extrem bei dem Projekt „andere Wege gehen“ auf. In der Regel geht man ja bei den täglichen Besorgungen immer die gleichen Strecken ab und nimmt nicht mehr viel wahr, was besonders auffällt, wenn man, wie wir, das meiste zu Fuß abgeht. Vor einigen Jahren nun, haben wir uns das mit dem andere Wegen gehen ausgedacht und es ist spannend was einem alles auffällt, wenn man die übliche Einkaufsrunde einfach einmal andersherum geht oder einen Schlenker durch eine Seitenstraße macht.

Im Grunde ist es einfach und bereichernd. Man muss sich ja nicht gleich für immer von einer Gewohnheit trennen, aber einfach mal versuchen einige Tage ohne das gewohnte auszukommen, ist sehr erhellend. Besonders, wenn man dabei seine Gefühle bewusst wahrnimmt und analysiert.

 

 

Kartoffeln mit Schlick

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Ich schwelge in einfachen Genüssen. Neue Kartoffeln, saure Sahne mit Paprika und Bassilikum und Erdbeeren. Der Sommer hat seine schönen Seiten.

Ansonsten bin ich am Arbeiten, während um mich herum das Chaos tobt. Die Küche in Viktors Wohnung wird gemacht und dadurch ist Lärm, Staub und überhaupt so einiges unbequem, aber ich freue mich so, dass wir bald eine schöne Küche haben und einen Balkon.  Doch nun ist erst einmal Feierabend.

Herr Braun, die Gitarre und der Hund

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Seit dreizehn Jahren ist Herr Braun eine ständige Quelle des Entzückens für mich. Er ist ein Mann mit vielen Talenten, einen ausgeprägten Sinn für Humor, ist zärtlich, aufmerksam, Anarchist und überzeugter Feminist. Was will Frau mehr! Nichts. Es ist gut so wie es ist. Auch wenn ich oft an den Umständen und an dem Zustand der Welt verzweifele, unsere Beziehung ist wundervoll. Vielleicht kommen wir so gut miteinander zurecht, weil wir uns relativ spät im Leben gefunden haben, vielleicht hätte es aber auch früher schon geklappt. Wer weiß das schon? Ist ja auch müsig, darüber zu spekulieren, die Zeit nutze ich lieber, um mich darüber zu freuen, dass wir uns überhaupt getroffen haben. Eines von Viktors Talenten ist das Gitarre spielen, er spielt noch einige Instrumente mehr, aber Gitarre eben auch mal so. Das Foto oben habe ich gemacht, als er das Abschiedskonzert für unseren japanischen Besuch gegeben hat. Außer der Wohnzimmermusik hat er gemeinsam mit zwei Freunden ein kleines Jazztrio am Laufen. Das Alotrio. Hier mal ein kleiner Eindruck. Dort spielt er in der Regel Bass.

Was ist heute bloß los mit mir? Eben habe ich schon einen langen Text über Suka auf Facebook verfasst, dessen Auslöser ihr heutiger Geburtstag ist. Nun schwärme ich von meinem Mann. Ist das Altersssentimentalität? Glaube ich im Grunde nicht, denn zu Sentimentalität neige ich nicht. Ich denke es ist eher Dankbarkeit für das, was ich habe.