Frühling mit Wind

Blumenfreund

Gestern sonnig, heute sonnig, zwar mit eisigen Wind, aber immerhin sonnig. Ich fühle mich verwöhnt, wie selten. Hoffentlich bleibt es einige Tage so und wird nicht zu warm, das mag ich ja auch nicht.

Ich habe schon mein tägliches Quantum übersetzt und war in der Bibliothek, habe ein wenig für das Abendessen vorbereitet und bin nun bereit für den ersten Cappucino des Tages.

Zum Wahlausgang hier mag ich nichts mehr sagen. Ich bin fast 60 Jahre alt und habe nicht mehr so viel Zeit, um sie mit Minderbegabungen zu verschwenden. Also freue ich mich an meinem Cappucino und daran, dass ich recht ordentlich gearbeitet habe heute. Nachher gibt es noch den 2. Teil von American Gods. Ich habe das Buch geliebt und auch die Serie gefällt mir, bis dato.

Wi Wa Wahl

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Feuer und Flame würde ich sogerne einmal wieder sein, wenn zu den Urnen gerufen wird. Dem ist leider schon lange nicht mehr so. Früher habe ich immer das „kleinere Übel“ gewählt, doch das bringe ich nicht mehr über mich, also mache ich ungültig oder wähle einen totalen Ausßenseiter, der mir gefällt.

Mein Problem mit den Wahlen ist im Grunde ein generelles. Auf der einen Seite bestätige ich mit meiner Teilenahme ein System, welches ich für überholt und als zu tiefst korrupt empfinde. Gehe ich auf der anderen Seite nicht wählen, erhöhe ich, ohne es zu wollen, die Zahl der angeblich politisch nicht interessierten. Dabei bin ich sogar sehr an Politik interessiert, nur empfinde ich die angebotenen Parteien und ihr Personal als suboptimal und habe das Gefühl, wie Volker Pispers es einmal so treffend sagte „dass mir Scheiße in verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten wird.“ Ich bin sogar so politisch, dass ich in einer Partei Mitglied bin und zwar in der noch sehr jungen Humanistischen Friedenspartei. Doch meine eigentliche Wahl für Umwelt, Soziales Miteinander, Tierschutz und so weiter treffe ich nicht alle vier Jahre, sondern jeden einzelnen Tag durch mein Verhalten. Wie konsumiere ich? Wie gehe ich mit der Umwelt und mit meinen Mitmenschen um? Ich nehme mir da gerne die drei Grundlagenfragen der HFP zum Prüfstein.

Nutzt es den Menschen?

Nutzt es der Umwelt?

Nutzt es dem Frieden?

Und ja, ich bin mir des Widerspruches wahlmüde zu sein und gleichzeitig einer politischen Partei anzugehören, sehr wohl bewusst. Kann da aber gut damit leben, da die HFP sich eher als Bewegung, denn als Partei empfindet.

Was in den Knochen

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Irgendwie bin ich erschöpft. Gut, ich habe heute viel gearbeitet. Habe ein wenig an „Tore“ gebastelt und ein ganzes Stück vom „Jig“ übersetzt. Doch das ist es nicht. Schon seit Tagen schleppe ich mich morgens aus dem Bett und die Bettschwere will nicht weichen. Die verflüchtigt sich ja sonst so nach einer halben Stunde. Daher geht es heute früh in die Falle, aber vorher werde ich meinen müden Kadaver noch einmal um den Block schleppen und dabei auch gleich den Hund lüften. Ein weiterer Grund früh zu Bette zu gehen, ist der Lesestoff der meiner harret. Einmal von Laurie R. King „The Beekeepers Apprentice“, Diana Wynne Jones „The Dark Lord of Derkholm“ und die drei neuen Bücher aus dem Wortreich Verlag, die demnächst erscheinen werden. Der Wortreich Verlag ist ein kleiner Wiener Verlag, der sehr viele interessante Autoren in seinem Programm hat. Es lohnt sich also da mal längs zu gucken.

So, nun aber raus. Ich habe mit dem an die Luft gehen bis zum Abend gewartet, weil mir wieder einmal alles zu laut, zu bunt und zu tralala ist. Ans Wasser wäre ich gerne gekommen heute, aber nun ja … man kann nicht alles haben und soviel geschafft zu haben, ist auch fein.

 

Gestern Hamburg

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Gestern war ich also in Hamburg die Kinder besuchen. Ich bin bereits früh gefahren und so haben meine Tochter und ich noch einige Stunden für uns zum Kuscheln und Klönen gehabt, bevor das Enkelinnengewirbel los ging. Dann haben wir die Beiden von der Schule abgeholt und Jenni ist mit Melinda zum Taek Wan Do und ich habe mit Selena The last wild Witch von Starhawk vorgelesen, von dem ich wünschte das es eine deutsche Fassung gäbe. Da dies nicht der Fall ist und Selena zwar spanisch spricht, aber kein englisch musste ich erst auf englisch lesen und dann übersetzen. So hatte ich denn auch gleich Übung vor dem nächsten Arbeitstag.

Allerdings habe ich noch nicht mit der Arbeit angefangen. Jedenfalls nicht mit dem Übersetzen. Erst einmal habe ich eine Paprikapfanne gekocht und eine französische Apfeltarte kreiert, denn nachher kommt der appetitlose Dieter und wir wollen mal sehen, ob wir ihn locken können.

Es war anstrengend, es war wunderschön und ich hatte soviel Spaß mit meinen fantasievollen Nachkommen. Süß war die jüngere, die so ein Faible für Viktor entwickelt hat. Als ich mich verabschiedet habe, sagte sie: „Grüß den schönen Viktor von mir“. Was ich natürlich tat. Das Ergebnis ist, dass er nun mit stolzgeschwellter Brust durch die Gegend läuft.

Es ist so eine Freude diese Kinder zu sehen. Ich finde Jenni macht einen verdammt guten Job, so alleine wie sie vor allem steht. Die Kinder können ihre Intressen entdecken, sich entfalten, sie haben Fantasie und bekommen auch die nötige Zeit zum Träumen. Natürlich hat das einen Preis. Jenni ist oft überfordert, auch wenn meine Schwester, die dichter dran wohnt als ich, viel hilft und ich auch öfter mal nach Hamburg möchte. Meisten stehe ich ja nur telefonsich mit aufmunternden Worten und Rat und Tat zur Seite.

 

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

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Heute ist alles anstrengend und geht extrem langsam. Das fing schon mit dem Aufstehen an. Ich konnte mich kaum überreden mein Bett zu verlassen. Dabei habe ich wahrlich genug Arbeit. Muss ja ein wenig mehr als die übliche Tagesration am „Jig“ schaffen, weil ich morgen nach Hamburg zu meinen drei Mädels fahre. Nun mache ich langsam Feierabend, denn ich muss mich für den Besuch präparieren, meine Enkelinnen sind nicht unbedingt pflegeleicht und stellen Ansprüche. So hat die Ältere angemeldet, sie will sich mit mir über Luther (hat sie eine Dokumentation drüber gesehen) und Moby Dick unterhalten. Sie kann nicht verstehen, wieso der Wal immer das Schiff angreift. Also muss ich mal sehen, wie ich ihr erkläre, dass es sich eher anders herum verhält. Zum Glück habe ich ein Buch mit kindgerechter Aufarbeitung der Geschichte gefunden, dass wird zwar erst Donnerstag geliefert, aber ich kann schon mal drauf verweisen, wenn ich nicht weiterkomme.

Für heute ist Schluss. Noch die 1. Folge American Gods auf Prime gucken und dann zu Bette gehen und den Rest von „Wenn das Eis bricht“ von Camilla Grebe lesen. Spannend spannend, ein echter Page Turner.

Bleiben wollen?

Nekropolis

Heute ging es einmal wieder auf den Südfriedhof. Diesmal sind wir nicht die übliche Runde gegangen, sondern ein wenig querbeet herumgeströmert. Plötzlich stand ich vor einem eingezäunten Familiengrab von gewaltigen Ausmaßen, mit einem Marmormonument darauf, auf dem stand: Wir haben eine bleibende Ruhestätte! Der Text und die Anlage hätten etwas Endgültiges. So in der Art: Wir gehen hier nicht weg! Sofort dachte ich: Würde ich das wollen? Um jeden Preis bleiben? Selbst tot noch so ein Anwesenheitssignal hinterlassen? Nein, möchte ich natürlich nicht! Ich finde den Gedanken schön mich irgendwann aufzulösen und zu verschwinden. Das hat natürlich nichts damit zu tun, dass ich mir nicht wünsche, dass man sich meiner erinnert. Selbstverständlich wäre ich froh, wenn meine Enkelinnen noch manchmal an mich denken würden oder die Menschen, die mich im Leben gekannt haben. Aber Monumente müssten wahrlich nicht von meinem Dagewesensein zeugen.

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Dieser Gedanke des sich auflösend, irgendwann, beschäftigt mich besonders seit ich Grabgeflüster von Martín Ó Cadhain gelesen habe. Ein wunderbares Buch, dessen Protagonistinnen allesamt tot sind und nun in der Friedhofserde unruhen, denn von Ruhe kann da keine Rede sein. Es geht weiter wie gehabt, die alten Fehden werden gepflegt, es wird sich an Gutes und Schlechtes erinnert. Nee, so soll es nicht sein. Wenn es bei mir so weit ist, soll mein Körper verbrannt werden und die Asche soll in die Ostsee, dort kann sie sich dann auflösen, während sich mein Geist in der universellen Ursuppe auflöst und dort wenns gut kommt, ein wenig zur Würze beiträgt. Wozu ich allerdings gar keine Lust habe, mich nach buddhistischer Manier tagtäglich im Sterben zu üben. Früher oder später hat das meines Wissens nach noch jeder ohne Trockentraining hinbekommen.

Ich denke oft über den Tod, die Vergänglichkeit und das Sterben nach. Aber nicht Angst erfüllt. Sicher habe ich Angst vor Siechtum und Schmerzen, aber vor dem Sterben? Nein! Die Existenz einer Hölle bezweifele ich stark und die Sache mit der Wiedergeburt auch. Es kann natürlich sein, dass ich mich da irre … ich bin wahnsinnig gespannt, wie es denn nun wirklich ist mit dem totsein.